Ticks, Tricks und Taktiken der rot-schwarzen Teams

Ansichtssache13. Oktober 2013, 08:00
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Wien - Wenn Sozialminister Rudolf Hundstorfer seine berüchtigte "Wurschtigkeit" zur Schau stellt, sehen die Schwarzen nur mehr rot. Kanzler Werner Faymann wiederum bringt die Bürgerlichen auf die Palme, weil er bei Gesprächen "nicht Nein sagen kann" - um dann allzu oft das Gegenteil des Vereinbarten in der Krone zu deponieren.Umgekehrt schaudert es die Genossen schon bei dem Gedanken an Michael Spindeleggers "unerbittliche Härte", die der Vizekanzler an den Tag legt, sobald er hinter einem Angebot einen Bluff vermutet. Ebenfalls "recht resolut" im Auftreten: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, der nicht gerade eine Liebe zu Details, sondern eher ein Hang zur Oberflächlichkeit nachgesagt wird.

Szenen und Schilderungen aus dem Verhandlungsalltag zwischen SPÖ und ÖVP. Ab kommender Woche sollen sich die langjährigen Regierungspartner tage-, nächte- und wochenlang gegenübersitzen, um erneut eine Koalition zu schmieden.

Die Begeisterung darüber hält sich vor allem bei den schwarzen Granden in Grenzen. Sie wollen deswegen erst im Vorstand am Montag darüber entscheiden, ob sie überhaupt Verhandlungen mit den Roten aufnehmen. Gut möglich, dass sich die Partei - ähnlich wie unter Obmann Wolfgang Schüssel - zunächst nur auf "ergebnisoffene" Gespräche einlässt.

ÖVP lässt sich bitten

Während sich Spindelegger, Mikl-Leitner & Co noch recht bitten lassen, steht das Kernteam der SPÖ so gut wie fest, auch wenn die Partei erst am Montag nach einem Präsidium damit an die Öffentlichkeit treten will. Neben Josef Ostermayer, seinem Staatssekretär und Vertrauten, soll Faymann auf Sozialminister Hundstorfer, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Verkehrsministerin Doris Bures setzen. Außerdem will der SPÖ-Chef Wolfgang Katzian, Chef der roten Gewerkschafter, und Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl mit zu den Verhandlungen nehmen.

Analog zu ihrem Entscheid über die Aufnahme von Gesprächen hüllt sich die ÖVP über ihre Mannschaft offiziell in Schweigen. Hinter vorgehaltener Hand fallen aber doch Namen: Kabinettschef Jochen Danninger, Spindeleggers rechte Hand seit dessen Zeit als Zweiter Nationalratspräsident und bisher schon mit der Koordinierung der schwarzen Regierungsarbeit beschäftigt, soll genauso eine wichtige Rolle spielen wie Mikl-Leitner, die als Vertraute von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll gilt und tatkräftig mitgeholfen hat, dass der Volksentscheid über die Wehrpflicht zugunsten der ÖVP ausging. Wohl auch vorne mit dabei: Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftsminister und Hundstorfers ewiges Verhandlungsgegenüber.

Wesentlich auskunftsfreudiger werden die Bürgerlichen in Hintergrundgesprächen, wie ihrer Meinung nach die Koalitionsverhandlungen angegangen werden sollen: Ein knappes Dutzend Untergruppen müsse endlich die Zukunftsthemen des Landes anpacken - und das heiße: für mehr Wachstum statt Schulden sorgen. Worauf die ÖVP ebenfalls besteht: eine genaue Zieldefinition bei allen Projekten und das Hinzuziehen von unabhängigen Experten etwa bei den Themen Pensionen und Sozialstaat.

Personell wird die ÖVP-Seite dabei kaum an einer Ministerin als Mitverhandlerin vorbeikommen, auch wenn diese längst als Ablösekandidatin gilt: "Wann ist die Finanz schon einmal nicht dabei?", entgegnete Maria Fekter unlängst forsch auf eine entsprechende Anfrage. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 12.10.2013)

Die potentiellen Team-Mitglieder:

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foto: epa/warnand
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