Google schleust neun Milliarden in die Karibik

11. Oktober 2013, 15:55
165 Postings

Allein im vergangenen Jahr soll der Internetkonzern Lizenzeinnahmen in Höhe von 8,8 Milliarden Euro auf die Bermudas geleitet haben

Die EU-Kommission will bekanntlich gegen Europas Steueroasen vorgehen, die es Google, Apple, Starbucks und Co ermöglichen, in Europa fast keine Steuern zu bezahlen. Der deutsche Verleger Hubert Burda schlug bereits im November des Vorjahres Alarm und forderte die EU auf, amerikanische Internetkonzerne steuerlich wie alle anderen Firmen in Europa zu behandeln.

Neun Milliarden gespart

Es könne nicht sein, dass etwa Apple, Google und Amazon ihre Steuerlast so weit herunterrechnen, dass am Ende für das Finanzamt kaum etwas übrigbleibe, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger. So bestimme der Suchmaschinenkonzern Google das weltweite Anzeigengeschäft, werde aber mit einem Steuersatz von gerade einmal 1,9 Prozent belastet.

Nahe daran sind die Zahlen, die nun die "Financial Times" zutage förderte. Google jongliert beim Steuersparen demnach mit beachtlichen Beträgen: Allein im vergangenen Jahr soll der Konzern Lizenzeinnahmen in Höhe von 8,8 Milliarden Euro auf die Bermudas geleitet haben, um Steuerzahlungen zu vermeiden. Die von Burda genannten knapp zwei Prozent finden sich hier nicht. Dennoch hat der Konzern seinen durchschnittlichen Steuersatz im Ausland auf rund fünf Prozent gesenkt. Die Zeitung beruft sich auf einen aktuellen Finanzbericht einer niederländischen Google-Tochter. Demnach hätten sich die Zuflüsse aus Lizenzgebühren auf die Bermudas in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Als Grund wird das wachsende Geschäft genannt.

Irland als erste Adresse

Irland gilt etwa als erste Steueradresse für viele der großen Internetkonzerne. Sie kommen in den Genuss des irischen Körperschaftssteuersatzes von 12,5  Prozent und zahlen auf neun- bis zehnstellige Bruttogewinne bestenfalls zweistellige Millionenbeträge an den irischen Staat. Der britische Finanzausschuss veröffentlichte im Sommer einen bissigen Bericht über die Praktiken von Google. Dabei wurden ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit und Legalität von Googles Modell laut.

Als ausschlaggebend für Irlands Rolle bei der Besteuerung globaler Firmen - namentlich im digitalen Bereich - nennen Experten die Möglichkeit, die gesamten europäischen Konzerngewinne oder gar alle außerhalb des amerikanischen Kontinents anfallenden Profite zeitweise durch Irland zu schleusen. "Der doppelte Ire" lautet der Begriff für diesen Trick: Neben der operativen irischen Unternehmung, die  selbst im Industrie- oder Dienstleistungsbereich tätig ist und als  Hauptquartier für das europäische und nordafrikanische Geschäft dient, wird eine zweite irische Firma gegründet, die in der Regel als Tochterfirma einer Holding in einer karibischen Steueroase auftritt.

Google sebst betont auf Anfrage der Deutschen Presseagentur, dass sich das Unternehmen an die Steuergesetze in allen Ländern halte, in denen es operativ tätig sei. "Wenn Politikern diese Gesetze nicht gefallen, haben sie die politische Macht, sie zu ändern", sagte ein Google-Sprecher. "Insgesamt lag unser effektiver Steuersatz im Jahr 2012 weltweit bei fast 20 Prozent." (red, derStandard.at, 11.10.2013)

  • Abtauchen in der Karibik - schön und für manchen schön sparsam.
    foto: bermudas tourismus

    Abtauchen in der Karibik - schön und für manchen schön sparsam.

Share if you care.