Goldeck Textil: Geschäft auf Federn gebettet

16. Oktober 2013, 16:56
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Kälteschutzbekleidung und Schlafsäcke für Bergretter und Armeen: Der Kärntner Familienbetrieb entsagt Billigfabriken in Asien und investiert in Kunstfasern

August Mayers Spezialität sind extreme Minustemperaturen. Design ist zweitrangig, es zählt Leistung. Anders als große Konkurrenten fertigt er fernab von Asien ausschließlich in Europa. Beliefert werden österreichische Bergretter ebenso wie russische Spezialeinheiten und indische Armeen.

Das Geschäft des Kärntners kreist um feine Fasern. Anfang 20 war er, als er mit fünf Mitarbeitern in Seeboden mit der Konfektion von Bettdecken und Polstern begann. Mittlerweile ist der Unternehmer 66, beschäftigt 450 Leute und bedient mit Schlafsäcken und Daunenbekleidung abseits öffentlichen Rummels Professionisten aus aller Welt.

Operativ nehme sich Mayer seit heuer zurück, stehe aber weiter mit Rat und Tat zur Seite, erzählt Josef Müller, Geschäftsführer der Produktionen. Bettwaren sind mit der Marke Goldeck die Namensgeber des Familienbetriebs. International bekannt ist dieser aber durch das Schlafsack-Label Carinthia: 15 Millionen Euro setzen die Kärntner damit um, bis zu 90 Prozent davon im Export.

Erst im Vorjahr schickten sie mehr als 100.000 Schlafsäcke und Wärmebekleidung auf die vergletscherten Berge zwischen Indien und Pakistan. Alle europäischen Armeen würden damit ausgerüstet, sagt Müller. Auch das Schweizer Militär bette sich nicht in Mammut-, sondern in Carinthia-Federn und -Fasern.

Bankgarantien

Abgesichert werden ferne Geschäfte meist mit Bankgarantien. Allein in Russland könne die Bezahlung zur Zitterpartie werden - da warte man mitunter eineinhalb Jahre auf sein Geld. Im Einzelhandel ist Carinthia nur vereinzelt vertreten, etwa bei Alpin-Spezialisten, Intersport und Eybl. Diskonter sind keine darunter.

Die Marke steht im Wettbewerb zu internationalen Konzernen, von The North Face, Salewa und Marmot bis zu Vaude, Deuter und Bergans. Fast alle konzentrieren sich auf Forschung, Design und Marketing - und kaufen den Rest in Fernost zu. Länder wie China, Bangladesch und Taiwan versorgen sie containerweise mit Thermowaren. Mayers Un- ternehmen sei das einzige, sagt Müller, das noch alle Arbeitsschritte in Europa und eigenhändig abwickle.

Goldeck Textil beschäftigt 46 Mitarbeiter in Seeboden: für die Entwicklung der Isolationstechnik, Vlies-Herstellung und Wasserbetten-Erzeugung, das dritte Standbein der Gruppe. 400 weitere Leute arbeiten in drei eigenen Werken in der Slowakei und in Moldawien. Seit den 1990er-Jahren sind die Kärntner im Osten vertreten. Nur so könne man mit Großbestellungen aus China mithalten. Müller selbst ist alle zwei Wochen in der Slowakei vor Ort, "die Standorte haben sich bewährt".

Auftragsspitzen fängt er über 200 weitere Beschäftigte bei Lohnfertigern ab. "Das sind keine Wald-und-Wiesen-Firmen, sondern drei fixe Partner." Vereinzelt eingekauft werde auch in Italien.

Daunen auf dem Rückzug

Textilwaren in Europa zu fertigen sei finanziell möglich - sofern man Kunden technologisch einen Mehrwert biete. "Wir entwickeln selbst, investieren viel in unsere Maschinen und haben in vielen Bereichen Alleinstellung." Die Bilanzen weisen stete Gewinne aus.

Statt mit Daunen, arbeitet Müller verstärkt mit Kunstfasern. Denn Alternativen seien gefragt, aus Gründen des Tierschutzes wie des Komforts. Zu feuchtigkeitsempfindlich ist das Naturprodukt Daune, zu intransparent meist die Herkunft - auch wenn Carinthia "nicht blind Zertifikaten über die Tierhaltung vertraue" und sich Informationen aus erster Hand besorge. Technologisch gesehen stecke in der Kunstfaser jedenfalls nach wie vor hohes Potenzial.

Müller will sich mit ihr auch neue Kundengruppen rund um Arbeitsbekleidung wie etwa Feuerwehren erschließen. Allzu weit abseits des Kerngeschäfts begibt sich Goldeck nicht. Klar locke links und rechts manche Blume, sinniert Müller und erinnert sich an kleinere Experimente mit schusssicheren Westen. Letztlich habe man sich jedoch dafür entschieden, nur in seine echten Kompetenzen zu investieren.

Auf Wasser schlafen

Wasserbetten zählen dazu. Aus der Ferne betrachtet, passe das ja nicht wirklich - der gemeinsame Nenner mit Schlafsäcken sei jedoch die Faser, erläutert Müller. Erst fertigten die Kärntner nur Matratzenüberzüge, dann kauften sie sich einen Wasserbettenhersteller, und nun sind sie in Europa mit der Marke Blu Times in der kleinen Nische nach eigenen Angaben die Größten. In Seeboden wurde die dafür nötige Polsterei eingerichtet, und das an großer Konkurrenz nicht reiche Geschäft wachse im Jahr um ein gutes Fünftel.

Goldeck Textil setzt unter dem Strich jährlich 30 Millionen Euro um und gehört zu 74 Prozent August Mayer. Die restlichen Anteile hält Geschäftsführer Franz Lagger. Einige Jahre zuvor soll Mayer in Ermangelung von Familienmitgliedern, die interessiert bzw. alt genug für die Nachfolge sind, einen Verkauf erwogen haben, ist aus der Branche zu hören. Mittlerweile sei das kein Thema mehr, ist Müller überzeugt. Das Unternehmen bleibe langfristig in Familienhand. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 16.10.2013)

  • Die Marke Carinthia bringt rund 15 Millionen Euro Umsatz. 90 Prozent der in Seeboden entwickelten Schlafsäcke werden exportiert.
    foto: goldeck

    Die Marke Carinthia bringt rund 15 Millionen Euro Umsatz. 90 Prozent der in Seeboden entwickelten Schlafsäcke werden exportiert.

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