Drinnen russische Kunst, draußen Protest gegen Gazprom

11. Oktober 2013, 13:37
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Am Freitag startet die von der Gazprombank finanzierte Ausstellung "Dreaming Russia" - Greenpeace demonstriert gegen Arktis-Ölförderpläne

Wien - Für das ganz spektakuläre Bild hat es nicht gereicht. Denn eigentlich hätte das riesige Greenpeace-Plakat vom Vorsprung der Wiener Albertina herab einen pechschwarzen Ölteppich darstellen sollen. Gegen das Aufstellen der großen Leiter vor dem Museum hatten Security und Polizei aber etwas. Die Botschaft der Umweltschützer, die kurzerhand umdisponieren mussten, wurde aber auch so verstanden.

Am Freitagvormittag machten 30 österreichische Aktivisten auf die Ölförderpläne des russischen Ölgiganten Gazprom in der Arktis aufmerksam. Genutzt wurde dabei die Eröffnung der Albertina-Ausstellung "Dreaming Russia", die von der Gazprombank, der drittgrößten Bank Russlands, gesponsert wird. Die Mutterfirma Gazprom ist mit Aktienanteilen von mehr als 35 Prozent an der Bank beteiligt.

"Gazprom - The Art of Arctic Destruction" war auf dem riesigen schwarzen Banner am Eingang zur Albertina zu lesen. Besucher auf dem Weg zum Museum bekamen zudem von Aktivisten Bilder vergangener Ölunfälle gezeigt. "Damit soll aufgezeigt werden, welche Umweltkatastrophe ein Ölunfall im sensiblen Ökosystem Arktis verursachen kann", sagte Greenpeace-Sprecherin Christine Gebeneter dem STANDARD. In Notfällen gebe es bei Bohrungen in der Arktis keine geeigneten Pläne, wirft die Organisation Gazprom vor.

Zwei Journalisten in U-Haft

Einige der gezeigten Bilder wurden vom freien russischen Fotografen Dennis Siniakov gemacht. Der 36-jährige Familienvater sitzt derzeit in russischer Untersuchungshaft. Siniakov sowie ein weiterer Journalist, der freie britische Kameramann Bryan Kieron, wurden gemeinsam mit 28 Greenpeace-Aktivisten aus 18 Nationen wegen bandenmäßiger Piraterie angeklagt. Sie wurden nach einer Protestaktion am 18. September gegen die Förderpläne von Gazprom auf einer Bohrplattform in der Barentssee festgenommen. "Die kriminelle Aktivität, der ich beschuldigt werde, nennt sich Journalismus", sagte Siniakov in U-Haft. "Ich werde es weiterhin machen."

Der Protest vor der Albertina richtete sich laut Greenpeace keinesfalls gegen die Künstler der Ausstellung, gegen das Museum oder gegen Russland, sondern einzig gegen Gazprom. Allerdings ist der Ölkonzern selbst im Mehrheitseigentum des russischen Staates. Unterstützung bekam die Umweltschutzorganisation vom russischen Künstler Leonid Tishkov, der mit einem seiner Bilder die Einladungskarte zur Ausstellung hätte zieren sollen. Tishkov zog aus Protest gegen Gazprom und aus Solidarität für die verhafteten Aktivisten und Journalisten seine Werke von der Ausstellung zurück. Diesen Wunsch teilte er Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder in einem offenen Brief mit. Für Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, wird die Albertina mit der Gazprom-Ausstellung "zum Feigenblatt demokratiefeindlicher Oligarchen und sorgt für deren Salonfähigkeit in Europa".

Greenpeace-Chef will Putin treffen

Greenpeace-Chef Kumi Naidoo zeigte sich von der harten Reaktion der russischen Behörden auf den Protest in der Arktis "extrem überrascht". Er sei vor einem Jahr bei einer ähnlichen Aktion auf derselben Bohrinsel dabei gewesen. "Sie haben damals nichts gemacht." Naidoo hat am Mittwoch um ein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin gebeten.

Den in U-Haft sitzenden Aktivisten und Journalisten droht hingegen weiteres Ungemach. Neben dem Anklagepunkt wegen bandenmäßiger Piraterie sollen weitere "schwere Verbrechen" dazukommen. Auf dem abgeschleppten Schiff Arctic Sunrise seien Drogen und weitere illegale Güter gefunden worden. Den Inhaftierten drohten bisher schon 15 Jahre Haft.

Laut Greenpeace-Sprecherin Gebeneter wurde Morphium an Bord gefunden. "Aber das ist bei jedem Schiff unter niederländischer Flagge verwahrt in einem medizinischen Safe verpflichtend an Bord mitzuführen", sagte sie dem STANDARD. (David Krutzler, derStandard.at, 11.10.2013)

  • Am Freitag protestierten Greenpeace-Aktivisten vor der Albertina.
    foto: greenpeace / moritz wustinger

    Am Freitag protestierten Greenpeace-Aktivisten vor der Albertina.

  • Der Protest richtete sich einzig gegen die Öl-Förderpläne des russischen Giganten Gazprom in der Arktis.
    foto: greenpeace / moritz wustinger

    Der Protest richtete sich einzig gegen die Öl-Förderpläne des russischen Giganten Gazprom in der Arktis.

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