Ausgrenzung der Hungernden aus der Politikgestaltung

11. Oktober 2013, 11:59
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Unveränderte Faktoren, die zu Hunger führen - Organisation FIAN kritisiert FAO-Zahlen

Wien/Weltweit - Trotz eines von der FAO registrierten Rückgangs der Zahl der Hungernden hat sich nichts an den realen Faktoren geändert, die zu Hunger führen. Diese Überzeugung äußerte die Organisation FIAN (Netzwerk für das Recht sich zu ernähren, Food First Information and Action Network), anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober. Die Ausgrenzung der Hungernden aus der Politikgestaltung und der Ausverkauf natürlicher Ressourcen werde weiter vehement vorangetrieben, hieß es am Freitag in einer Aussendung von FIAN Österreich.

Die FAO, die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, geht in ihrem am 1. Oktober veröffentlichten Jahresbericht von weltweit 842 Millionen Menschen aus, die unter Nahrungsmittelmangel und chronischer Unterernährung leiden, um 26 Millionen Menschen weniger als im Vorjahr und um 17 Prozent weniger als Anfang der 1990er Jahre. "Die vermittelte Hoffnung ist trügerisch, da diese Zahl vor allem einer neuen Methodik geschuldet ist", erklärte FIAN. 

Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln

So würden die Effekte steigender Nahrungsmittelpreise kaum berücksichtigt. Für arme Menschen spielten Kosten für Nahrungsmittel aber eine zentrale Rolle. 2009 hätten nach FAO-Schätzungen noch 150 Millionen Menschen zusätzlich wegen extremer Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln hungern müssen. Hungerrevolten in mehr als 40 Ländern und Preisexplosionen von teilweise über 200 Prozent in wenigen Wochen fänden damit kaum noch Niederschlag in den Berechnungen, kritisierte die Organisation.

Das vor wenigen Tagen von einer zivilgesellschaftlichen Allianz in Rom vorgestellte "Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2013" (Right to Food and Nutrition Watch) identifiziere eine ganze Reihe von politischen Maßnahmen, die den Hunger verstärken, so FIAN. Dazu gehöre die umfassende Privatisierung von natürlichen Ressourcen wie Land und Saatgut. Im Jahrbuch werde die problematische Allianz der Politik mit großen internationalen Konzernen und philanthropischen Stiftungen aufgedeckt. Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne nehmen demnach in afrikanischen Staaten entscheidenden Einfluss auf die Vergabe öffentlicher Mittel und die Gesetzgebung. Interessenskonflikte würden tabuisiert und Menschenrechte ignoriert. (APA, 11.10.2013)

  • 2009 hätten nach FAO-Schätzungen noch 150 Millionen Menschen zusätzlich wegen extremer Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln hungern müssen.
    foto: der standard/andy urban

    2009 hätten nach FAO-Schätzungen noch 150 Millionen Menschen zusätzlich wegen extremer Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln hungern müssen.

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