Terrorvorwurf: Medien stellen sich hinter "Guardian"

11. Oktober 2013, 16:56
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Der britische Geheimdienst MI5 warf dem "Guardian" vor, seine Enthüllungen mit Snowden wären ein "Geschenk für Terroristen" - Medien aus aller Welt erklären sich solidarisch

London/Wien – Chefredakteure von der "New York Times" über "Spiegel" und "Le Monde" bis zu "The Hindu" verteidigen in Statements das Vorgehen des Guardian bei den Enthüllungen über den US-Geheimdienst NSA. Aus Österreich etwa der STANDARD und ORF-Anchorman Armin Wolf.

Die Berichte hätten "enormen Schaden" angerichtet und seien "ein Geschenk für Terroristen", hat der Leiter des Inlandsgeheimdienstes MI5, Andrew Parker, erklärt, ohne Guardian oder Edward Snowden namentlich zu nennen. In Großbritannien bestehe "beträchtliches" Anschlagsrisiko.

Die Chefredakteurin der "New York Times", Jill Abramson, bezeichnet eine öffentliche Debatte über Abhöraktivitäten von ­Geheimdiensten als "gesund für die Gesellschaft und notwendig". Wolfgang Büchner, Chefredakteur des "Spiegel", betont, dass Medien weltweit ihre Aufgabe weiterhin ernst nehmen werden und "darüber berichten, wenn ein Sicherheitsapparat außer Kontrolle gerät und seinen Kompetenzbereich überschreitet".

"Ich kann mich in meinen 28 Jahren als Journalist an kein einziges Thema erinnern, dessen öffentliche Diskussion man in einer demokratischen Gesellschaft eher rechtfertigen hätte können als die Enthüllungen Edward Snowdens, Glenn Greenwalds und des Guardian", wird Armin Wolf auf der "Guardian"-Website zitiert.

Meilenstein des Journalismus

Dutzende traditionelle wie digitale Medien unterstützen die Zeitung. "Leser wie Informanten können erwarten, dass Journalisten Informationen über den Fehltritt einer Regierung öffentlich machen und nicht die Regierung schützen", erklärt der US-Journalist Ben Smith von Buzzfeed.

STANDARD-Herausgeberin Alex­andra Förderl-Schmid nennt die Enthüllungen einen "Meilenstein des professionellen Journalismus". Sie äußert sich "besorgt" über den Druck auf den Guardian. "Wir Journalisten akzeptieren keine Eingriffe von außen." (red, DER STANDARD, 12./13.10.2013)

  • STANDARD-Herausgeberin und Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid unterstützt den "Guardian".
    foto: screenshot, theguardian.com

    STANDARD-Herausgeberin und Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid unterstützt den "Guardian".

  • Wolfs Statement auf theguardian.com.
    foto: screenshot, theguardian.com

    Wolfs Statement auf theguardian.com.

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