Wie Voitsberg seine Bank verkauft

10. Oktober 2013, 18:37
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Bürgermeister will lieber Verkauf als Fusion - Inserat für Käufersuche

Wien - Es geschieht wohl selten, dass Käufer für eine Bank per Zeitungsinserat gesucht werden, aber es geschieht. Die Privatstiftung Sparkasse Voitsberg-Köflach und die Stadtgemeinde Voitsberg Infrastruktur KG jedenfalls tun es und schaffen damit ein Novum in der Geschichte des Sparkassensektors. Sie bieten "bis zu 70,52 Prozent des Kapitals" an der Sparkasse Voitsberg-Köflach Bank AG per Presse-Inserat zum Kauf feil.

Eigentümer der kleinen Sparkasse sind mit rund 46 Prozent die genannte Privatstiftung, die Infrastruktur KG der Stadt (22,7 Prozent), rund vier Prozent der Anteile gehören der Erste Bank. Den Rest halten Private. Der Aufsichtsratschef des Instituts, Ernst Meixner, will zur Sache nicht recht viel sagen: "Wir suchen strategische Partner und wollen mit dem Inserat eruieren, ob es Interessenten für die Bank gibt." Er spricht in einer Mehrfachrolle: Er sitzt im Vorstand der Privatstiftung der Sparkasse, ist Miteigner der Infrastruktur KG und Voitsberger Bürgermeister (SPÖ).

Der Sparkassensektor regelt seine Probleme üblicherweise intern, Fusionen werden diskret erledigt. Um den öffentlichkeitswirksamen Schritt der Voitsberger nachvollziehen zu können, tut ein Blick auf die Zahlen der Bank und den steirischen Sektor not. Die Bilanzsumme des Instituts ist zuletzt auf 426 Mio. Euro geschrumpft, ihr Ergebnis aus der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit laut jüngstem Lagebericht mit 0,9 Mio. Euro "leider negativ". Die wirtschaftliche Lage der Region ist bescheiden, Erholung nicht in Sicht.

Schon 2009 wurde eine Kapitalerhöhung nötig. Die vom Sektor bevorzugte Alternative - die Fusion mit der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG unter ihrem ÖVP-nahen Chef - haben die Voitsberger unter ihrem roten Präsidenten nämlich verhindert. Angeblich war ihnen der Preis (um die sechs Mio.) zu niedrig.

Die Folge: also doch eine Kapitalerhöhung. Die Stadtgemeinde Voitsberg (bzw. ihre Infrastruktur KG) steckte unter Meixners Ägide fünf Millionen Euro in die Bank, weitere fünf kamen von Privaten. So blieb die Sparkasse Voitsberg-Köflach bis dato selbstständig - neben ihr sind das nur noch die zwei steirischen Sparkassen Mürzzuschlag und Pöllau. Alle anderen sind mittlerweile im Bauch der Steiermärkischen Bank und Sparkasse (fast 15 Mrd. Euro Bilanzsumme) zu finden.

Sektor will Fusion

Allein werden die Voitsberg-Köflacher die Zukunft aber nicht stemmen. Deswegen wird der Fusionsdruck aus dem Sparkassensektor, in dessen Haftungsverbund sie ja stecken, auch wieder größer. Sparkassen-Generalsekretär Michael Ikrath: "Wir bemühen uns, die wirtschaftliche Existenz der Voitsberger langfristig zu sichern und wollen sie im Verbund halten." Aufsichtsratschef Meixner: "Es kann ja auch die Sparkassengruppe Interesse bekunden."

Dass die Voitsberger Infrastruktur KG nun aussteigen will, verwundert angesichts ihrer Zahlen nicht. Die Schulden der KG betrugen 2012 rund 8,5 Mio. Euro. Davon entfielen laut Jahresabschluss fünf Mio. auf "die Finanzierung der Treuhandschaft bei der Sparkasse ... und 370.000 Euro auf Verbindlichkeiten aus der stillen Beteiligung an der Sparkasse". Das Engagement an der Bank, die keine Dividenden abwirft, ist also still, aber teuer. (Renate Graber, DER STANDARD, 11.10.2013)


  • Voitsberg & Co suchen extern nach Kaufinteressenten.

    Voitsberg & Co suchen extern nach Kaufinteressenten.

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