Zweitwohnsitzer sollen zur Kasse gebeten werden

11. Oktober 2013, 17:29
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Zweitwohnsitzinhaber haben die Grundstückspreise am Traun- und Attersee in astronomische Höhen getrieben. Eine Infrastrukturabgabe könnte Abhilfe schaffen

Gmunden/Attersee – Immer weniger junge Familien können sich ein Leben in Gmunden finanzieren. Fast gebetsmühlenartig warnen der grüne Fraktionsobmann Otto Kienesberger und Karl Kammerhofer, ehemaliger SPÖler und jetzt freier Mandatar im Gemeinderat, vor der Entwicklung in dem 13.000-Einwohner-Ort. Nicht weniger oft fordert Bürgermeister Heinz Köppl (ÖVP), die Wohnungsbaugesellschaften "an die Kandare" zu nehmen, um Miet- und Eigentumswohnungen zu bauen, die auch eine Förderung vom Land Oberösterreich erhalten. 250 Wohnungen seien derzeit in Gmunden im Entstehen. Bei Einfamilien- oder Reihenhäusern geht die Preisspirale währenddessen ungebremst nach oben.

Toplagen stark verteuert

Der aktuelle Immobilienpreisspiegel registriert im Bezirk Gmunden für Reihenhäuser einen Preisanstieg "um mehr als sieben Prozent in Toplagen". Auch Baugründe für Einfamilienhäuser "verzeichnen entgegen dem oberösterreichischen Durchschnitt (plus 2,9 Prozent) in guten und sehr guten Wohnlagen Preissteigerungen bis zu 19 Prozent". 

Aber nicht nur das: Selbst Gründe bis zu einem Kilometer abseits des begehrten Traunsees erzielen bereits einen Quadratmeterpreis von 900 Euro, berichtet Kienesberger. Die Preise verdorben hätten seiner Ansicht nach die wohlhabenden Zweitwohnbesitzer, deren Wohnungen auch noch fast das ganze Jahr leerstünden.

Infrastrukturabgabe soll helfen

Deshalb wollen Kienesberger und Kammerhofer, aber auch die SPÖ diese mit einer Infrastrukturabgabe zur Kasse bitten. Rund 2300 Besitzer von Zweitwohnsitzen nutzen die vorhandene Infrastruktur für Wasser, Kanal und Müll, jedoch bezahlen sie kaum Beiträge zur Finanzierung dieser öffentlichen Leistungen. Mit einer Infrastrukturabgabe könnte wieder Gerechtigkeit hergestellt werden.

450 Euro pro Jahr sollte sie ausmachen, wenn der Nebenwohnsitzinhaber sich nicht bereiterklärt, seine Unterkunft anderen als Ferienwohnung zur Verfügung zu stellen. Durch diese Abgabe würden es sich viele Besitzer von Zweit- oder Spekulationswohnungen überlegen, diese nicht auf Dauer unbewohnt zu lassen, argumentieren die Befürworter. Eine Resolution an die oberösterreichische Landesregierung, "ein Gesetz zur Einführung einer Zweitwohnsitzabgabe auszuarbeiten", hat der Gmundner Gemeinderat mit den Stimmen der ÖVP auch schon längst verabschiedet. Weitergegangen ist in dieser Causa bis heute jedoch nichts.

Spekulationen am Attersee

Aber nicht nur am Traunsee hat sich die Wohnsituation zugespitzt. Auch am Attersee haben die Zweitwohnsitze die Grundstückspreise in die Höhe getrieben. Bis zu 4000 Euro pro Quadratmeter Seegrund werden kolportiert. Im Schnitt beträgt in der Gemeinde Attersee der Quadratmeterpreis 700 Euro. Für Einheimische seien Baugründe kaum mehr leistbar. Dennoch will Bürgermeister Walter Kastinger (SPÖ) Besitzer von Zweitwohnsitzen "nicht vergraulen", sondern sieht das Problem eher bei den Spekulanten, die vor Jahren erworbene Baugründe aus strategischen Gründen brachliegen lassen würden. 

Der Bürgermeister von Nußdorf Josef Mayrhauser (ÖVP) spricht sehr wohl von einer "Herausforderung für seine Gemeinde" (siehe Interview). In Nußdorf gibt es 1500 Zweitwohnsitze und 1100 Hauptwohnsitze. Im Sommer tummeln sich in dem Ort 4000 Menschen, außerhalb der Saison gerade einmal 1000. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 12.10.2013)

  • Gmunden ist zwar noch nicht Saint-Tropez: Aber an der Preisschraube für Immobilien wird ständig kräftig gedreht.
    foto: spudich

    Gmunden ist zwar noch nicht Saint-Tropez: Aber an der Preisschraube für Immobilien wird ständig kräftig gedreht.

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