43 Millionen Europäer haben nicht genug zu essen

Report untersuchte humanitäre Folgen der Wirtschaftskrise - "Team Österreich Tafel" mit ausgeweitetem Angebot

Rom/Wien - 43 Millionen Europäer haben nicht genug zu essen. Immer mehr Menschen am Kontinent sind auf Hilfe angewiesen, 120 Millionen Europäer sind per Definition armutsgefährdet. Das geht aus einem am Donnerstag in Rom veröffentlichten Report der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hervor, die sich unter anderem auf Eurostat-Zahlen beruft. Die Studie untersuchte die humanitären Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

"Obwohl Österreich weit weniger stark von der Krise betroffen ist, als andere europäische Länder, sind mehr als eine Million Menschen armutsgefährdet", kommentiere Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), die heimische Lage in einer Stellungnahme. Akut betroffene Menschen unterstützt das ÖRK in Zusammenarbeit mit dem Radiosender Ö3 unter anderem durch die "Team Österreich Tafel". Bei 80 Ausgabestellen werden laut den Angaben der Hilfsorganisation überschüssige, einwandfreie Lebensmittel kostenlos abgegeben.

"Ergebnisse des Reports sind alarmierend"

Bei dem 2010 gestarteten Projekt wurden anfangs Lebensmittel an 91.000 Personen ausgegeben. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 wurden bereits mehr als 80.000 Personen Lebensmittel verteilt. Bis zu Jahresende werden es laut dem Roten Kreuz mindestens 160.000 Menschen sein. Dieser Anstieg ist auch damit zu erklären, dass dieses Angebot in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurde.

An der Erhebung haben 42 Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften aus Europa und Zentralasien teilgenommen. "Die Ergebnisse des Reports sind alarmierend", kommentierte Kerschbaum die Studie. "Innerhalb der vergangenen drei Jahre stieg die Anzahl der Menschen, die Nahrungsmittel vom Roten Kreuz erhielten, europaweit um 75 Prozent." 18 Millionen Menschen erhalten von der EU finanzierte Lebensmittelhilfe.

Arme Eltern - schlechte Bildung

Die europäischen Rotkreuzgesellschaften stellen in ihrem Bericht zudem fest, dass bei den Ausgaben für Gesundheit stark gespart wird. Bemerkt wird ein Anstieg beim Bedarf an psychosozialer Unterstützung für Menschen, die an Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen leiden.

"In Österreich gilt nach wie vor: wer arme Eltern hat, hat schlechte Chancen auf gute Bildung. Wir müssen verstärkt in ein Schulsystem investieren, das Kinder und Jugendliche fördert und Chancengerechtigkeit herstellt. Denn: je niedriger der Bildungsstand, desto höher ist die Armutsgefährdung", folgerte der Rotkreuz-Generalsekretär. (APA, 10.10.2013)

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