Jeder Fünfte sucht eine neue Stelle

8. August 2003, 16:02
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Mieses Betriebsklima und schlechte Arbeitszeiten lassen immer mehr Beschäfigte an Kündigung denken

Graz - Auch in Zeiten eines schwierigen Arbeitsmarktes sind es nicht nur Arbeitgeber, die Kündigungen überlegen. Wie eine Studie der Universität Graz und des in der Kunden- und Mitarbeiterevaluierung tätigen Instituts "research-team" ergab, ist jeder fünfte Beschäftigte auf Suche nach einem neuen Job. Sie sind unzufrieden mit den Arbeitszeiten und dem Betriebsklima und springen ab, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Umgekehrt werden immerhin 16 Prozent der Mitarbeiter aktiv von anderen Unternehmen abgeworben.

Online-Befragung

Im Zuge der Studie wurden 1.500 Personen online befragt, darunter ein Teil Jobwechsler. In einer nun veröffentlichten Folgestudie wurde in tiefgehenden Analysen bei 125 Personen, die in EDV-Ausbildung standen, nach Gründen für den Wechsel des Arbeitsplatzes geforscht. Als Hauptgründe für die Kündigung sind betriebliche Faktoren wie "Arbeitszeit" oder "Betriebsklima", aber auch "Arbeitsplatzsicherheit", "mangelnde Übereinstimmung mit dem Firmenkonzept" und "Mobbing". Der häufigste Kündigungsgrund zeigt sich im Wunsch nach Aus- und Weiterbildung.

"Gerade in kritischen Zeiten für Wirtschaft und Arbeitnehmer glauben viele Arbeitgeber, sie könnten sich sehr viel leisten und stellen Rücksichtnahme und Wertschätzung in den Hintergrund, nach dem Motto: "Es muss ja jeder froh sein, überhaupt eine Arbeit zu haben", resümiert Paul Jimenez, Leiter von "research-team". Das habe jedoch längerfristig negative Konsequenzen für den Betrieb, da die betroffenen Mitarbeiter entweder mit innerer Kündigung reagieren und dadurch weniger leisten, oder sie den Betrieb bei der nächstbesten Gelegenheit verlassen.

Hohe Kosten der Fluktuation

Psychologe Jimenez gibt zu bedenken, dass Fluktuation kostet: "Es müssen nicht nur neue MitarbeiterInnen gesucht und eingeschult werden, sondern Fluktuation bedeutet auch einen Verlust an Know-how, das im Laufe der Jahre aufgebaut wurde".

Laut einer OECD-Studie (1995) liegt Österreich im Vergleich der durchschnittlichen Beschäftigungsdauer unter den Ländern mit einer eher längeren Beschäftigungsdauer. Die USA und Großbritannien liegen bei 7,4 und 7,8 Jahren, Australien weist mit 6,4 Jahren die kürzesten Abstände zwischen den Jobwechseln auf. Österreich liegt genau bei zehn Jahren. Längere Beschäftigungsdauer gibt es in Belgien, Italien, Japan, Portugal und Schweden mit rund elf Jahren. Polen nimmt mit 17,5 Jahren eine Sonderstellung ein.

Mitarbeiterbefragungen

Um die Fluktuation gering zu halten, empfiehlt Jimenez fundierte Mitarbeiterbefragungen, die ein detailliertes Bild darüber geben, was im Unternehmen geschätzt wird, welche Änderungswünsche bestehen und wie sich die Arbeitnehmer eingebunden fühlen. (APA)

  • research-team
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