P2P-User auf der Suche nach Alternativen

14. August 2003, 11:51
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Weniger bekannte Tauschbörsen erleben seit den neuesten Aktion der Musik-Industrie einen starken Zustrom - und sind meist besser als KaZaA und Co.

Die Vorgehensweise der US-amerikanischen Musikindustrie gegen private Tauschbörsen-User scheint erste Früchte zutragen - allerdings wohl etwas andere als sich die Branchenvertretung RIAA dies vorgestellt hatte. Die User bei KaZaA und Co. werden vorsichtiger und die Teilnehmerzahlen nehmen leicht ab, doch weniger bekannte, wesentlich sicherere und teilweise wesentlich bessere P2P-Netzwerke erleben einen regelrechten Boom.

Ab 50 GB bist du dabei

Einer dieser neuen, bislang ziemlich unbekannten, Tauschbörsen-Aufsteiger ist das von Neo Modus betriebene Direct Connect (DC). Bei Hardcore-Saugern war DC schon länger beliebt, doch nun entdecken auch immer mehr KaZaA-User die Vorzüge dieser Tauschbörse. DC ist wesentlich schwieriger zu kontrollieren und dürfte die Musik-Industrie vor einige schwierige Aufgaben stellen. Allerdings haben auch Tauschbörsen-Anfänger oder weniger ausdauernde Downloader kaum eine Chance DC nutzen zu können. Die DC-Server, kurz auch Hubs genannt, lassen nicht jeden am Tauschvergnügen teilhaben. Als Mindestanforderung muss ein User mindestens 50 Gigabyte an Daten zum Tausch bereitstellen und dieses Datenvolumen schon von Anfang an mitbringen.

Weniger User, aber viel mehr Material

Durch diese Mindestvoraussetzung wollen die Tauschbörsen-Betreiber User aussperren, die nur herunterladen und selbst keine Daten zur Verfügung stellen - auch bekannte unter der Bezeichnung "Leecher". Doch nicht nur egoistische "Nur-Herunterlader" werden durch diese Maßnahme ausgesperrt auch die Ermittler der Musik- und Filmindustrie scheinen derartige Datenmengen nicht so leicht anbieten zu können. Nach Angaben von NeoModus sollen derzeit bereits rund 110.000 User das System gleichzeitig nutzen.

Aus diesen Angaben lässt sich das angebotene Datenvolumen abschätzen - rund 5.000 Terabyte an Daten sind so über die DC-Hubs verfügbar. Diese Zahl entspricht nach Angaben von telepolis fast der Summe aller über die populären Tauschprogramme Kazaa, Imesh und Grokster angebotenen Daten. Allerdings haben diese Tauschbörsen fast vierzig Mal mehr User aufzuweisen. Aber auch bei DC hat man auf die Vorgehensweise der RIAA bereits reagiert. Viele Hub-Betreiber beschränken den Tausch auf ihren Bekanntenkreis. Neueinsteiger müssen sich die Zugänge erst durch Vertrauensbeweise in einschlägigen IRC-Chats oder Web-Foren erarbeiten.

Des Einen Leid, des Andern Freud

Für User, die eher wenig MP3-Dateien haben oder auch nur selten P2P-Netze nutzen, stellt DC keine wirkliche Alternative dar. Besser aufgehoben ist man da schon bei MP2P-Net mit seinem bekannten Client Blubster. Laut US-Medienberichten verzeichnete dieses Netz seit dem Start der RIAA-Kampagne gegen Tauschbörsen den größten Zuwachs. Mehr als 210.000 User sind mittlerweile bei Blubster zu finden. Die RIAA ihrerseits ht nur erste Zahlen zur Untermauerung ihrer Kampagne präsentiert. So sollen seit Juni 700.000 Tauschbörsianer weniger bei Fasttrack zu finden sein. Kritiker meinen hingegen, dass dieses - vor allem bei US-Studenten sehr beliebte - Netz, im Sommer aufgrund der Ferienzeit immer mit wesentlich weniger Userzahlen als unter dem Studienjahr aufscheint.

Besserer Schutz als Werbelinie

Die Betreiber von Blubster führen die steigenden Zuwachsraten vor allem auf ihre Werbelinie zurück. Blubster wurde seit Juni als sicheres Netz, das die Privatsphäre seiner User besonders gut schützen soll, beworben. Allerdings verhindert Blubster lediglich das Durchsuchen des gesamten Festplatteninhalts. Diese Funktion ist mittlerweile sogar in KaZaA integriert. Automatisierte Suchen, die die Fahnder der Industrie einsetzen, lassen sich damit nicht verhindern.

Der wirklich sichere Client?

Absolute Sicherheit versprach hingegen die Software des Nullsoft-Gründers Justin Frankel, der auch der Entwickler des MP3-Abspielprogramms Winamp und des Gnutella-Tauschprotokolls ist. Frankel veröffentlichte W.A.S.T.E (Mirror-Site) inklusive des Source-Codes Ende Mai auf einem Nullsoft-Firmenserver - kurz nach dem bekannt wurde, dass er die Firma aufgrund von Differenzen mit dem Eigentümer AOL verlassen werde. Diese Software ermöglicht den Datenaustausch und die Kommunikation mit starker Verschlüsselung in einer geschützten Umgebung per Chat und Instant Messaging in kleineren Gruppen.

W.A.S.T.E wurde nur wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung vom Nullsoft-Server entfernt und durch eine Copyright-Warnung ersetzt. Die Original-Website wurde jedoch innerhalb dieser wenigen Stunden auf zahlreichen Servern gespiegelt. Mittlerweile sollen bereits mehrere Entwicklerteams an der Weiterentwicklung dieser Software arbeiten.

Den Krieg bereits verloren?

Während sich die RIAA über einzelne Erfolge in den kleinen Schlachten gegen Privat-User und Universitätsnetze freut, scheint der Krieg gegen die illegalen Tauschbörsen schon lange verloren. Die Prognosen vieler Experten lassen darauf schließen, dass es in Zunkunft wesentlich mehr, dafür aber wesentlich kleinere Netze geben wird, diese sind nur schwer zu entdecken und noch schwerer zu schließen. Man darf gespannt sein , was der Musik- und Film-Industrie noch für neue Mittel im Kampf gegen P2P einfallen werden. (grex)

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