Bushs Nordkorea-Politik erntet scharfe Kritik von Madeleine Albright

5. August 2003, 18:16
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Ex-Außenministerin: US-Präsident habe Clintons Erbe der "diplomatischen Öffnung" verspielt

Washington - Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright hat die US-Regierung für ihre unnachgiebige Haltung im Atomstreit mit Nordkorea scharf kritisiert. Die Regierung von Präsident George W. Bush verspiele das politische Erbe der "diplomatischen Öffnung", das Amtsvorgänger Bill Clinton hinterlassen habe, schreibt Albright in ihrem neuen Buch "Madam Secretary" ("Frau Ministerin").

Lage sei wieder so, wie Clinton sie 1994 vorgefunden habe

Auszüge daraus sollen in der Septemberausgabe der Zeitschrift "Vanity Fair" erscheinen. Eine "ernsthafte" Nordkorea-Politik würde laut Albright auf bilaterale Gespräche mit Pjöngjang setzen. Bush lehnt dies strikt ab. Zu ihrem Bedauern habe auch ihr Nachfolger, US-Außenminister Colin Powell, diese "diplomatische Öffnung" nicht weiter ausgelotet. Inzwischen sei die Lage wieder so wie Clinton sie 1994 vorgefunden habe: Nordkorea sei mit Atomwaffen ausgerüstet und suche nach Käufern für Waffen oder Atommaterial.

In letzten Amtstagen Clintons ist Nordkorea zu kurz gekommen: Nahost-Konflikt stand im Vordergrund

Albright sieht aber auch die politische Agenda der letzten Amtstage Clintons in kritischem Licht. Clinton habe in der Endphase dem Nahost-Konflikt seine ganze Aufmerksamkeit geschenkt, in der Hoffnung doch noch Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu stiften; wegen dieser Bemühungen sei "Tag für Tag, Woche für Woche" eine Reise nach Nordkorea und eine abschließende Vereinbarung mit dem stalinistisch regierten Land "aufgeschoben" worden. Als Präsident Kim Jong Il schließlich noch schnell nach Washington eingeladen worden sei, habe der nordkoreanische Staatschef eine Reise abgelehnt, schreibt Albright, die das Nordkorea-Kapitel "Am Tor zum Einsiedlerreich" betitelte.

Für ihre Nordkorea-Reise im Oktober 2000 war Albright von konservativen Kreisen in Washington scharf kritisiert worden. Kim beschreibt sie in ihrem Buch als "rundgesichtigen" Mann mit "ausladenden Brillengläsern" und "unglaublich hoch toupiertem Haar". (APA)

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