Rekruten geschleift - Soldat vor Gericht

6. August 2003, 22:18
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"Unsensibler" Ausbildner freigesprochen

Wien - Ihn kann Austropop-Urgestein Wolfgang Ambros in seiner "Abrüster"-Hymne "Tagwache" nicht gemeint haben - aber der Richter nannte den Soldaten dennoch "Schleifer". Am Montag befasste sich das Wiener Landesgericht mit "Ausbildungs"-Praktiken eines 26-jährigen Bundesheer-Wachtmeisters.

Der dürfte es vor allem auf Studenten abgesehen gehabt haben: So ordnete er etwa nach einer Blutspendeaktion Liegestütze an - den Hinweis, dass dies gerade jetzt nicht sehr vernünftig sei, "bezahlte" der warnende Jungmann mit der Order, einarmig zu pressen. "Ich bin dann in Ohnmacht gefallen und erst am Bett im Zimmer zu mir gekommen", erinnerte sich der 21-Jährige nun im Zeugenstand.

Freispruch

Auch wegen anderer vergleichbarer Maßnahmen des Wachtmeisters wurde vor Gericht nun wegen des Verdachtes auf boshaftes Quälen von Untergebenen verhandelt. Der Soldat, dessen Methodik und Didaktik der Richter "nicht besonders sensibel" nannte, wurde jedoch (nicht rechtskräftig) freigesprochen.

Das Bundesheer zog schon zuvor andere Schlüsse - und zog den Wachtmeister von allen Tätigkeiten am lebenden Objekt "Grundwehrdiener" ab. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2003)

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