Deutliche Alarmsignale - von Helmut Spudich

8. August 2003, 16:02
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Wenn die Arbeitslosigkeit weiterhin steigend ist, dann wechseln Politiker gern die Betrachtungsweise

Wenn die Arbeitslosigkeit weiterhin steigend ist, dann wechseln Politiker gern die Betrachtungsweise. "Abgeflacht" ist der Anstieg bei der Arbeitslosigkeit, erklärte uns der auch gelegentlich als Arbeitsminister Dienst tuende Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, soll heißen: Es gibt neuerlich mehr Arbeitslose, es könnte aber auch noch schlimmer sein.

Was sich aber generell als "abgeflachte" Anstiegskurve darstellt, schaut im Detail schlimm genug aus: Denn steil angestiegen sind zwei kritische Indikatoren der Arbeitsmarktdaten, die Arbeitslosigkeit älterer Menschen und der Jungen. Bei den über 60-Jährigen stieg sie gleich um 15 Prozent, und bei den 15- bis 18-Jährigen um zwölf Prozent - zwei deutliche Alarmsignale.

Diese nüchterne Statistik ist damit gleichzeitig Fußnote der "Pensionssicherungsreform" und Vorgeschmack auf das, was passieren wird, wenn das höhere Alter beim Pensionsantritt erst wirklich wirksam werden wird. Die Rechnung ist relativ einfach: Einerseits gibt es aufgrund der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage weniger zu tun, also an sich weniger Jobs. Andererseits stellen sich mehr Menschen um diese Jobs an, da sie später in Pension gehen. So korrespondieren die steile Entwicklung am jüngeren und die am älteren Ende des Arbeitsmarkts.

Daraus lässt sich nicht schließen, dass es falsch wäre, einen späteren Pensionsantritt zu verfolgen, um das Pensionssystem im Lot zu halten. Aber sehr wohl lässt sich daraus schließen, dass bisher gegen die voraussehbaren Folgen des längeren Arbeitslebens nichts getan wurde. Einzig der stereotype Hinweis auf einen kommenden Arbeitskräftemangel wird dieses Problem nicht lösen. Das Gleichgewicht des einen würde so nur mit dem Trudeln des anderen Systems erkauft. (Helmut Spudich DER STANDARD Printausgabe 05.08.2003)

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