Einheitliche Steuern für Vorsorge gefordert

13. August 2003, 10:55
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Experte verlangt Gleichbehandlung von zweiter und dritter Säule

Wien- Thomas Url, Versicherungsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts sprach sich am Montag für die steuerliche Gleichbehandlung der mehr als zwei Dutzend verschiedener Altersvorsorge-Formen der zweiten und dritten Säule aus. Zumindest für die Beiträge des Arbeitnehmers sollte es bei der Besteuerung unerheblich sein, ob er in eine Zusatzversicherung, eine Pensionskasse oder die neue Zukunftsvorsorge einzahlt.

Ordnung in den Steuer-Schrebergarten

Schuld an diesem "Steuer-Wirrwarr" sei ein Lobbying-Prozeß der unterschiedlichen Anbieter, wodurch der Gesetzgeber unter Druck gesetzt wird. "Dieser Steuer-Schrebergarten gehört in Ordnung gebracht", sagte Url.

Obwohl die Performance der Pensionskassen in den beiden vergangenen Jahren schlecht gewesen sei, sollte der Anteil der Aktien bei der Veranlagung (Aktienquote) nicht gesenkt werden, sagte Günther Schiendl, Leiter der Veranlagung der APK-Pensionskasse und der APK-Mitarbeitervorsorgekasse. Grundsätzlich sei die Aktie noch immer ein besonders ertragreiches Investment, wobei für die Pensionskassen nicht Langfristigkeit, sondern Risiko entscheidend sei. Eine Senkung der Aktienquote würde den Ertrag schmälern und sei darum nicht zielführend.

Sieben Prozent Rendite

Angesichts des niedrigen Zinsniveaus und der geringen Inflation dürften keine hohen, zweistelligen Renditen in der Veranlagung erwartet werden, sagte Schiendl weiter. Man müsse sich mit Renditen von etwa sieben Prozent im Jahr zufrieden stellen, erklärte er bei der Präsentation einer Studie über betriebliche Altersvorsorge in Österreich, die von der Studiengesellschaft über Vorsorgeversicherung und Demoskopie erstellt wurde.

2002 haben Österreichs 13 betriebliche und sieben überbetriebliche Pensionskassen beim Veranlagungsergebnis eine Minus von 6,8 Prozent verzeichnet, schnitten aber im internationalen Vergleich relativ gut ab, befand die Studie.

Für Oskar Grünwald, Koordinator der vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank finanzierten Studie, befinde sich die Altersvorsorge "in der Krise": Sowohl die erste Säule stecke durch die demographische Entwicklung und das Arbeitsmarktproblem in Schwierigkeiten, als auch die zweite Säule aufgrund der schwachen Kapitalmarktentwicklung. (DER STANDARD Printausgabe 05.08.2003)

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