Im Terror-Nebel

12. August 2003, 19:12
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Die Amerikaner haben offenbar immer noch kein definitives Rezept gefunden, um mit der Terrorbedrohung umzugehen - Von Christoph Winder

Gerade einmal gut einen Monat wird es bis zum zweiten Jahrestag zum Gedenken an die Terroranschläge des 11. September 2001 noch dauern. Die zeitliche Distanz zu dem traumatischen Datum wird zwar größer und größer, doch allem Anschein nach haben die Amerikaner immer noch kein definitives Rezept gefunden, um mit dieser Art von Bedrohung umzugehen. Die jüngsten Terrorwarnungen, die in den letzten Tagen von diversen US-Regierungsstellen ausgegeben wurden, haben den gleichen ungreifbaren, diffusen Charakter wie jene, die schon vor zwei Jahren im Umlauf waren.

Einen Vorwurf wegen der mangelhaften Präzision ihrer Terrorprognosen wird man der Regierung des Republikaners Bush dennoch nicht machen können. Zwar erklingt da und dort ein deutlich vernehmbares demokratisches Murren über die Performance der Geheimdienste, doch im Wesentlichen herrscht Konsens darüber, dass dieser nebulösen, aber gleichwohl tödlichen Gefahr mit einer Kraftanstrengung begegnet werden muss, bei der parteiliche Profilierungsversuche ausgeschlossen sind. Die ständige Präsenz der Terrorgefahr würde also auch unter einer Regierung der Demokratischen Partei dafür sorgen, dass die US-Politik konstant auf jenem schmalen und schwer überschaubaren Grat zwischen berechtigter und überängstlicher Sorge entlangwandert, wie sie es jetzt schon tut.

Dennoch wird sich das Thema Terror im langsam anlaufenden US-Wahlkampf unweigerlich bemerkbar machen - und zwar vor allem auf dem Umweg über die Außenpolitik, die diesmal einen viel höheren Stellenwert einnehmen wird als üblich. Das hat George W. Bush selbst in die Wege geleitet, indem er das Terrorthema mit dem der "Schurkenstaaten" ("Achse des Bösen") engstens verquickt hat. Eine offene Frage bleibt, ob sich der Wahlkämpfer Bush angesichts der mühseligen Präsenz der Amerikaner im Irak damit selbst einen Gefallen getan hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2003)

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