Rekordsommer läßt Stromversorger kalt

8. August 2003, 13:22
6 Postings

Die Hitze ist gut für die E-Wirtschaft, aber schlecht für die Umwelt: Die Speicher sind voll, weil die Gletscher doppelt so stark schmelzen

Wien - Die anhaltende Trockenheit in Österreich hat die Erzeugung vieler heimischer Laufkraftwerke halbiert, besonders im Süden bringen die geringen Wasserstände die Versorger in die Bredouille. Am stärksten ist der Erzeugungseinbruch an Mur und Enns. Besser schaut es bei Donau, Salzach oder am Inn aus.

Speicherkraftwerke laufen auf Hochtouren

Um die höhere Nachfrage abzudecken, laufen die Verbund-Speicherkraftwerke in den Alpen auf Hochtouren, zusätzlich sind alle kalorischen Kraftwerke am Netz. Ausnahme St. Andrä in Kärnten: Dort gibt es Probleme mit mangelndem Kühlwasser. Im Schnitt kosten die hohen Wassertemperaturen zehn Prozent der Erzeugung.

Derzeit ist aber die Nachfrage ebenfalls rund zehn Prozent höher. Dafür sind primär Klimaanlagen und Ventilatoren verantwortlich. Und weil es in ganz Europa Engpässe gibt, haben die Preise an den Börsen deutlich angezogen. "Am Spotmarkt hat sich Strom um die Hälfte verteuert, bei langfristigen Lieferverträgen um ein Fünftel", so Herbert Landrichter, Geschäftsführer der e&t, Handelsgesellschaft der Energie Allianz (EVN, Wien Energie, Bewag, Energie AG Oberösterreich, Linz AG).

Strompreis an Börsen deutlich angezogen

Trotz der intensiven Nutzung der Speicherkraftwerke erwartet der Verbund keine Probleme mit fehlendem Wasser in den Speicherseen. Wegen der hohen Temperaturen schmelzen die Gletscher, die die Speicher speisen, so stark wie zuletzt im Jahr 1932. Es fließe fast doppelt so viel Wasser zu als in einem Normaljahr, begründet der Verbund die Entwarnung vor einer winterlichen Stromkrise.

Preise werden steigen

Allerdings müssen sich die Haushalte auf höhere Rechnungen einstellen. Energieregulator Walter Boltz geht aber von Verteuerungen (frühestens im Herbst) von ein paar Prozent aus, weil der höhere Energiepreis durch sinkende Netztarife zumindest zum Teil kompensiert würde.

Schreckensszenario ist die Versorgungskrise in Skandinavien im vergangenen Winter: Im trockenen Sommer hatten Norwegen und Schweden ihre Speicher für lukrative Exporte nach Deutschland geleert - was aber im anschließenden Winter zu einer massiven Versorgungskrise und einer Vervierfachung der Strompreise in Norwegen führte. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 05.08.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mooserboden Stausee mit den Gletschern der Glocknergruppe im Hintergrund.

Share if you care.