Harald Schmidt hat einen neuen Chef

8. August 2003, 12:03
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Der US-Milliardär Haim Saban übernimmt im zweiten Anlauf die TV-Gruppe ProSiebenSat.1 - Das Geschäft soll in Kürze besiegelt werden

München - Im zweiten Anlauf kann der US-Milliardär Haim Saban die Sendergruppe ProSiebenSat.1 übernehmen. Der Gläubigerausschuss der insolventen KirchMedia stimmte nach Angaben eines Sprechers dem Angebot Sabans am Dienstag einstimmig zu. Das Geschäft soll demnach "in den nächsten Tagen" abgeschlossen werden. Saban würde damit zum ersten ausländischen Großinvestor auf dem deutschen Fernsehmarkt.

Keine Angaben zum Kaufpreis

Über den Kaufpreis wurde zunächst nichts mitgeteilt, zuletzt war ein Betrag von gut einer Mrd. Euro genannt worden. Erst Anfang Juni war ein erster Übernahmeversuch Sabans an offenen Fragen bei der Finanzierung gescheitert.

Ein in letzter Minute eingereichtes Konkurrenzangebot der Beteiligungsgesellschaft Apax wurde von den Gläubigern am Dienstag abgelehnt. Das Angebot sei diskutiert worden, der Ausschuss habe sich aber anders entschieden, sagte der KirchMedia-Sprecher. Im Gegensatz zu seinem ersten Übernahmeversuch hatte Saban diesmal nur für die Senderfamilie ProSiebenSat1 geboten. Das Kirch-Filmarchiv wurde nach dem Scheitern des ersten Übernahmeversuchs abgetrennt und in einem eigenen Verfahren verkauft, ein Abschluss ist aber noch nicht in Sicht.

Weitere Kirch-Anteile im Visier

Saban bot nach Angaben aus Bankenkreisen 7,50 Euro je Stammaktie. Zusammen mit fünf Investmenthäusern wolle er zunächst für 525 Mio. Euro 36 Prozent des gesamten Aktienkapitals erwerben. Mit diesem ersten Schritt würde Saban 72 Prozent der Stimmrechte besitzen. In einem zweiten Schritt will Saban den Angaben zufolge weitere 14,5 Prozent Stammaktien von der Kirch-Tochter Taurus kaufen. Der Preis dafür soll bei etwa 200 Mio. Euro liegen. Für eine Kapitalerhöhung sind demnach weitere 280 bis 300 Mio. Euro vorgesehen.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe) will Saban die Sendergruppe zunächst gemeinsam mit dem Springer-Verlag betreiben. Springer als zweitgrößter Aktionär solle künftig mindestens zehn Prozent der Anteile von ProSiebenSat.1 halten.

Seriöses Angebot

Dem Vernehmen nach stuften die Banken das Angebot Sabans diesmal als "seriös" ein. Der erste Versuch Sabans, das milliardenschwere Herzstück der insolventen KirchMedia zu übernehmen, war Anfang Juni geplatzt. Dabei hatte sich der US-Investor offenbar finanziell übernommen. Saban hatte im monatelangen Poker um die KirchMedia-Kernfirmen sein Angebot immer wieder in die Höhe geschraubt und damit schließlich den lange Zeit als Favoriten geltenden Hamburger Heinrich Bauer Verlag ausgestochen.

Saban freut sich über den Zuschlag für den Kauf des TV-Konzerns ProSiebenSat.1. "Wir sind sehr erfreut, dass unser Angebot den Gläubigerausschuss überzeugt hat. Wir freuen uns darauf, die Transaktion abzuschließen", erklärte Saban laut Mitteilung. Zu seinen weiteren Plänen mit Deutschlands größtem Fernsehunternehmen machte er keine Angaben. (APA/dpa)

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    Sat1-Entertainer Harald Schmidt ist bereit.

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