"Ein verzweifelter Kampf" für Ferrari

20. August 2003, 14:28
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Michael Schumachers sechster WM-Titel gerät ernsthaft in Gefahr

Hockenheim - Michael Schumacher muss sich langsam ernsthafte Sorgen über eine Titelverteidigung machen. Der vor Saisonbeginn scheinbar sichere sechste WM-Gewinn für den Ferrari-Star gerät immer stärker in Gefahr, zumal beim nächsten Grand Prix in Budapest der nächste Rückschlag durch die neue Nummer eins - Williams-BMW - droht.

Schumacher spricht nicht von Krise

"Ungarn stimmt mich nicht allzu optimistisch", hat sich Schumacher schon auf eine weitere Enttäuschung eingestellt. Von Resignation oder gar Kapitulation ist zwar nichts zu spüren, wirklich zuversichtlich ist der deutsche Star aber nicht. "Von einer Krise kann nicht die Rede sein. In der Meisterschaft liegt noch alles eng zusammen," sagte Schumacher nach dem verpatzten Heim-GP mit Platz sieben in Hockenheim.

Der Weltmeister kommt nicht mit

Trotzdem: Ferrari scheint im WM-Endspurt die Luft auszugehen, während sich Williams stetig im Aufwind befindet. Schumachers Reifenplatzer in Hockenheim symbolisierte den schleichenden Machtwechsel. Aber selbst ohne dieses Missgeschick hätte er beim GP von Deutschland keine Chance gehabt, auch nur in die Nähe von Juan Pablo Montoya zu kommen. "Den Speed, den Montoya drauf hatte, hätten wir nicht gehen können", räumte der Rheinländer unumwunden ein, dass der Rivale für ihn außer Reichweite war.

Besorgte italienische Presse

Italiens Presse reagierte auf die jüngste sportliche Demütigung alarmiert. "Die WM ist in Gefahr", titelte "Tuttosport" besorgt. Der "Corriere dello Sport" prognostizierte: "Jetzt wird die WM ein verzweifelter Kampf. Bei Ferrari kommt ein Gefühl der Machtlosigkeit auf." Und "La Gazzetta dello Sport" fragte: "Wie lange wird der Widerstand Schumachers und des geliebten roten Renners noch halten?"

Nur noch sechs Zähler Rückstand

Auf sechs Zähler ist der Vorsprung von Spitzenreiter Schumacher (71 Punkte) gegenüber Hockenheim-Triumphator Montoya (65) geschmolzen - auch Startunfallopfer Kimi Räikkönen (62) liegt noch aussichtsreich im Rennen. Beim zu erwartenden nächsten Hitze-Grand-Prix in Ungarn in drei Wochen winkt dem Williams-BMW-Widersacher sogar erstmalig die WM-Führung. "Wir stehen jetzt mit ihnen auf einer Stufe. Das ist ein Riesending", sagte der Kolumbianer: "Wenn wir unser Niveau halten, sieht es gut für die WM aus." Da gratulierte sogar Kolumbiens Staatspräsident Alvaro Uribe.

Umschwung in Monaco

Seit seinem Sieg in Monaco, der den Umschwung bei den anfangs schwächelnden, von den eigenen Mechanikern als "Schildkröte" verspotteten Williams-BMW einläutete, ist Montoya der mit Abstand erfolgreichste Fahrer: Zwei Mal Erster, immer auf dem Podium und zusammen 50 Punkte. Schumacher sammelte in diesen sechs Rennen - wie sein Bruder Ralf, der seine Titelchancen nach seinem Doppel-Nuller abgehakt und gegen die Strafe als Verursacher der Start-Kollision in Hockenheim Einspruch eingelegt hat - nur 33 Punkte. "Juan Pablo ist reif für den Kampf um den Titel", traut BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen Montoya das ganz große Ding zu.

Lauda: "WM wird knapp"

Auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda sieht Ungemach für Schumacher herauf ziehen. "Die Gefahr für Michael ist schlagartig größer geworden, weil mit Montoya nun der erste Verfolger im Gegensatz zu Raikkönen über das derzeit stärkste Paket verfügt", sagte der Österreicher nach dem Hockenheim-GP. "Montoya hat in Hockenheim eine Super-Leistung hin gelegt. Aber Schumachers Auto wird wieder funktionieren. In der WM wird es jedenfalls knapp", so Lauda.(APA)

  • Michael Schumacher führt zwar noch in der WM-Wertung, ist aber nicht mehr unbedingt erster Favorit auf den Titelgewinn.

    Michael Schumacher führt zwar noch in der WM-Wertung, ist aber nicht mehr unbedingt erster Favorit auf den Titelgewinn.

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