Pharmaindustrie will nicht für hohe Kosten der Medikamente verantwortlich sein

4. August 2003, 18:24
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Pharmig: "Wir tragen laufend zum Sparen bei" - Dies sei "anders als beim Pharmagroßhandel und bei den Apotheken"

Wien (APA) - Bei der Pharmaindustrie glaubt man in Österreich nicht an die Machbarkeit einzelner "Sparpakete" zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen. "Wir wissen alle, dass unsere Lebenserwartung pro Jahr um 3,2 Monate steigt. Und da reden wir, dass wir einsparen sollen. Das geht doch pfeilgerade an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. Da kann man doch einfach nicht von Deckelungen und Ähnlichem reden", erklärte der Geschäftsführer der Vereinigung Pharmazeutischer Unternehmen, Dkfm. Erhard P. Geisler, am Montag zur aktuellen Diskussion gegenüber der APA.

Pharmaindustrie will nicht für hohe Kosten verantwortlich sein

Insgesamt - so Geisler - gingen "Sparpakete" überhaupt an den Erfordernissen der Entwicklung des österreichischen Gesundheitswesens vorbei. Der Experte: "Wir von der pharmazeutischen Industrie tragen laufend etwas zum Sparen bei. Das ist auch anders als beim pharmazeutischen Großhandel oder bei den Apotheken. Bei uns passiert das laufend über die Preisanpassungen durch die Generika. Ich habe mir das gerade ausgerechnet: Zwischen Anfang des Jahres 2000 und Mitte 2003 haben wir rund 70 Mio. Euro allein durch Preissenkungen einsparen helfen."

An der Entwicklung der Pharmaindustrie insgesamt werde sich aber nichts ändern. Der Pharmig-Geschäftsführer: "Es werden weiterhin Innovationen bei den Arzneimitteln auf den Markt kommen." Nehme man die nicht in das Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger auf, ergäbe sich dadurch nur eine Zwei-Klassen-Medizin. Die Begüterten würden sich schon die notwendigen Medikamente besorgen.

Wie die Kosten laut Pharmaindustrie sinken könnten

Trotzdem könnte durch mehrere Rahmenbedingungen der Zuwachs der Kosten für Medikamente (im Sozialversicherungsbereich) geringer ausfallen. Geisler: "Das könnte durch mehr Kostenbewusstsein bei Ärzten und Patienten geschehen, ebenso durch die zurückgehende Konjunktur." Die Höhe der Rezeptgebühr könnte hier noch zusätzlich als Bremse wirken. Noch ein für die Zukunft zu erwartender Effekt laut dem Pharmig-Geschäftsführer: "Es laufen bis zum Jahr 2005 noch etliche 'Blockbuster' in ihrem Patentschutz aus." Die dann sofort auf den Markt kommenden Generika würden eine zusätzlich dämpfende Wirkung haben.

Erwartungen der Pharmaindustrie

Was sich Geisler erwartet: "Ich glaube, es wird eine neue Form der Selbstmedikation geben. Bewährte Präparate sollten im Heilmittelverzeichnis (der auf Kassenkosten verschreibbaren, Anm.) Arzneimittel bleiben. Aber immer mehr Patienten könnten darüber aufgeklärt werden, dass die Kosten beispielsweise nur zwei Euro über der Rezeptgebühr lägen." Man könnte die Patienten dann durchaus fragen, ob sie diese Medikamente nicht direkt kaufen wollten.

Der Pharmig-Geschäftsführer kann sich folgende Entwicklung vorstellen: "Für schwerwiegende Gesundheitsprobleme ist die Sozialversicherung da, für den Rest kommt der Einzelne selbst auf. Ich hoffe übrigens am ehesten auf ein 'Sparpaket', das endlich die Wünsche der Patienten in den Mittelpunkt stellt."

Die Pharmaindustrie wird zum überwiegenden Teil getragen durch internationale Konzerne, für die der Markt in Österreich nur ein kleiner unter vielen großen ist.(APA/red)

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