Indonesien: Bombenanschlag auf Marriott in Jakarta

5. August 2003, 21:28
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Luxushotel bei Explosion einer Autobombe zum Teil zerstört - Mindestens 14 Tote und 150 Verletzte - Ein Niederländer unter den Opfern - Behörden vermuten Selbstmordattentat - Mit Infografik

Jakarta - Bei dem schwersten Bombenattentat in Indonesien seit den Anschlägen von Bali vor knapp zehn Monaten sind in einem Luxushotel der Hauptstadt Jakarta mindestens 14 Menschen getötet worden. Weitere 150 Menschen wurden am Dienstag verletzt, viele von ihnen schwer. Der indonesische Sicherheitsminister Susilo Bambang Yudhoyono sprach von einem "terroristischen Akt". Vizepräsident Hamzah Haz äußerste die Vermutung, dass der Anschlag auf das Marriott-Hotel gegen amerikanische Interessen in Indonesien gerichtet gewesen sein könnte. Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat.

Kein konkreter Verdacht

Auch Verteidigungsminister Matori Abdul Djalil sagte: "Das ist eindeutig ein Akt des Terrorismus." Einen konkreten Verdacht äußerte er nicht. Die radikal-islamische Gruppe Jemaah Islamiah wird für eine Reihe früherer Anschläge in Indonesien verantwortlich gemacht, so auch für das Attentat von Bali im Oktober mit 202 Toten. Die USA verdächtigen die Gruppe, mit dem El-Kaida-Netzwerk des Moslem-Extremisten Osama bin Laden in Verbindung zu stehen. Die US-Botschaft in Indonesien hatte ihre Feier zum US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli in dem abgehalten.

Augenzeugen berichten von sechs Detonationen

Nach Angaben des indonesischen Polizeichefs General Da'i Bachtiar war der Sprengstoff möglicherweise in einem Kleintransporter vor dem Eingang des Hotels deponiert gewesen, wodurch sich Ähnlichkeiten zu dem Anschlag auf Bali ergäben, bei dem am 12. Oktober 2002 mindestens 202 Menschen getötet worden waren. Augenzeugen berichteten, sie hätten mindestens sechs Detonationen gehört. "Ich hörte einige schwere Explosionen, dann verlor ich den Kontakt zu meinen Brüdern im Hotel", sagte ein Mann, der vor dem Gebäude stand.

Unter den Toten war auch ein Niederländer, der Präsident der PT Rabobank Duta Indonesia, Hans Winkelmolen. Die Bank ist eine Tochtergesellschaft der niederländischen Rabobank. Unter den Verletzten waren nach ersten Erkenntnissen zwei Amerikaner.

Lobby und Restaurant vollkommen zerstört

Unmittelbar nach den Explosionen bot sich ein Bild völliger Verwüstung, zahlreiche Menschen flohen in Panik. Die Fassade des Hotels war rußgeschwärzt, bis in die oberen Stockwerke hinauf waren die Fensterscheiben geborsten. Vor allem die Lobby und das Restaurant im Erdgeschoss des Hotels wurden zerstört. Mehrere Fahrzeuge vor dem Eingang fingen Feuer, insgesamt wurden mindestens 22 Autos vor dem Hoteleingang durch die Wucht der Bomben beschädigt. Auch an benachbarten Gebäuden entstand größerer Sachschaden.

Der Gouverneur von Jakarta sagte im Rundfunk, möglicherweise seien die Sprengsätze von einem Selbstmordattentäter gezündet worden. Beweise dafür hatte er aber zunächst nicht. Nach ersten Ermittlungen der Polizei wurde ein hochexplosiver Sprengstoff verwendet, der in einem Umkreis von 200 Metern Schäden anrichtete.

Erst vor knapp drei Wochen war das indonesische Parlament von einer Bombenexplosion erschüttert worden, im Februar das Polizeihauptquartier in Jakarta. Ende April waren im Abstand von nur drei Tagen zuerst die Vertretung der Vereinten Nationen in der indonesischen Hauptstadt und anschließend der Flughafen Ziel von kleineren Sprengstoffanschlägen geworden. Die Behörden hatten entweder die Jemaah Islamiyah oder Rebellen aus der Unruheprovinz Aceh als Urheber vermutet.

Bali-Urteil erwartet

Am Donnerstag soll das erste Urteil in den Prozessen um den Bombenanschlag von Bali verkündet werden. Die Ermittler machen die Jemaah Islamyiah auch dafür verantwortlich. Die meisten der Opfer waren ausländische Touristen. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Vor dem Hotelfoyer brennen Autos

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    Der Eingang zum Hotel wurde völlig zerstört

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