"Ein heißer Sommer ist noch lange keine Klimaänderung"

24. Oktober 2003, 11:19
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Österreichischer Klimatologe Rudel tritt Ängsten entgegen - auszugehen sei von 30-Jahr-Perioden

Wien - Auch wenn die Erderwärmung angesichts der anhaltenden Hitze in diesem Sommer in aller Munde ist: Ein heißer Sommer ist noch lange keine Klimaänderung, sagt Ernest Rudel, Leiter der Klimaabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien. Die so genannte Standardperiode, mit der ein Klimaforscher arbeitet, dauert 30 Jahre. Alle Wetter-Ereignisse einer solchen Periode werden erfasst und verarbeitet. Klima ist somit nichts anderes als die statistische Dimension des Wetters.

Sehr vorsichtig ist Rudel daher mit Aussagen, wonach diese oder jene Wetterereignisse zu- oder abnehmen. Beispielsweise über den Beobachtungszeitraum lassen sich nämlich Aussagen in die eine oder andere Richtung steuern. Rudel hat dafür auch ein Beispiel parat: So lässt sich beispielsweise für Wien in den Jahren 1961 bis 2001 eine Zunahme der Starkregenfälle statistisch belegen. Wählt man aber den Beobachtungszeitraum 1903 bis 2001, verkehrt sich die Sache genau ins Gegenteil.

Aktuelles Ansteigen jedoch unleugbar

Unbestreitbar ist für den Wissenschafter allerdings, dass wir uns derzeit in einer Periode mit rasant steigenden globalen Temperaturen befinden. Blickt man in das Archiv der ZAMG, gilt das auch für Österreich. So maßen die Forscher der Hohen Warte im ersten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, von 1900 bis 1909, in der Bundeshauptstadt eine durchschnittliche Lufttemperatur von genau neun Grad. 1950 bis 1959 waren es dann schon 9,5 Grad und 1990 bis 1999 bereits 10,5 Grad. Wenngleich auf anderem Niveau, fiel der Anstieg etwa in Innsbruck, Klagenfurt oder Kremsmünster ähnlich - um die 1,5 Grad - aus.

Dabei beträgt die Differenz zwischen den höchsten und tiefsten Jahresmitteln drei bis fünf Grad. So herrschte 1940 in Wien ein kühles Jahresmittel von 7,2 Grad, 1994 verbuchen die Experten dagegen 11,8 Grad. Das heißt, es könnte in den kommenden Jahren auch vereinzelt extrem kalte Jahre geben, ohne dass dies gleich ein Hinweis für eine Trendumkehr wäre.

Rekorde liegen höher

Die höchsten Temperatur-Einzelwerte wurden übrigens nicht, wie man meinen könnte in den vergangenen Jahren gemessen. In Wien gehen die Rekordtemperaturen von 38,3 Grad auf den Sommer 1957 zurück, in Innsbruck wurden 1984 exakt 37,7 Grad gemessen, in Klagenfurt 1950 immerhin 37,4 Grad und in Kremsmünster 34,3 Grad im Jahr 1983. (APA)

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