Sommertourismus legt guten Saisonstart hin

11. August 2003, 16:37
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Kleines Nächtigungsplus im Mai und Juni - Rekordsommer vom Vorjahr in Reichweite

Döbriach - Die touristische Sommersaison ist in Österreich trotz Konjunkturflaute bisher besser als erwartet gelaufen. "Ich sehe eine Chance, an den Rekordsommer vom Vorjahr anschließen zu können", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein in Döbriach am Millstätter See bei einem Pressegespräch mit Arthur Oberascher, dem Chef der Österreich Werbung (ÖW).

Während Nachbardestinationen wie Deutschland oder Italien Marktanteile verloren hätten, seien die Nächtigungen in Österreich im Mai und Juni um 0,9 Prozent auf 15 Mio. und die Umsätze um zwei Prozent auf 2,85 Mrd. €gestiegen, sagte Bartenstein. Österreich habe damit erfolgreich der Konjunkturflaute, der Lungenkrankheit Sars sowie der Terrorangst getrotzt.

Für das Nächtigungsplus im Mai und Juni verantwortlich waren primär Gästezuwächse aus Österreich (plus 3,4 Prozent), aus Italien, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden, während die Gästezahlen aus Deutschland im Mai und Juni um 0,7 Prozent fielen, ergänzt Oberascher. Rückgänge gebe es auch bei Gästen aus den USA und Großbritannien. Für den Juli erwartet Oberascher allerdings ein Nächtigungsminus: "Das Juliloch war heuer wegen der deutschen Ferienreisezeitverordnung spürbarer als im Vorjahr, uns fehlte eine weitere Woche." Allerdings könnte es gelingen, den Ausfall im August wieder auszugleichen.

Zu große Abhängigkeit Die heimische Tourismusbranche sei nach wie vor stark abhängig von Inländern und dem Hauptherkunftsmarkt Deutschland, der im Sommer 63 Prozent aller Auslandsnächtigungen stellt, sagt Oberascher. Folglich könne das heuer verstärkte Ausbleiben der deutschen Touristen durch den internationalen Tourismus nicht abgefangen werden, ergänzt Peter Peer von der Österreichischen Hoteliervereinigung (OEHV).

Laut ÖW müssten die Internationalität gefördert und die Märkte erweitert werden, primär bei Klein- und Mittelbetrieben. Oberascher setzt statt geografischer Segmentierung auf spezielle Neigungsgruppen wie Kultur- und Sporturlauber oder Gastronomie-Liebhaber.

Laut Peer könnten gerade kleine und mittlere Betriebe nicht alleine international auf Kundenfang gehen, nicht einmal mit dem Internet. Sie sollten sich Partner für Interessenkooperationen suchen oder sich internationalen Konzernen anschließen, um neue Märkte zu erschließen.

Bei der ÖW selbst, die zu 75 Prozent dem Bund und zu 25 Prozent der Wirtschaftskammer Österreich gehört, erwartet Bartenstein keine Eigentümeränderung - trotz der Ankündigung der Kammer, ihr Engagement überdenken zu wollen. Der Beitrag von acht Mio. Euro jährlich sei gemessen an anderen Kammerausgaben nicht überbordend. (red, DER STANDARD Printausgabe 05.08.2003)

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    Österreich erlebt ein überraschendes Sommerhoch, meint Bartenstein

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