Geld verdienen mit Freeware - auch nach der Dotcom-Blase

14. August 2003, 11:50
3 Postings

Deutscher Programmierer schaffte mit seiner "Anti-Spyware-Software" den Durchbruch

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da konnten Leute, die gerade erst der Pubertät entwachsen waren, keinen Schulabschluss dafür aber Computerkenntnisse hatten, in eine Bank spazieren und sagen "Ich brauche Geld für ein Dotcom-Projekt". Damals in dieser guten, alten Zeit - viele Mit-Zwanziger und -Dreißiger werden sich jetzt die Tränen aus den Augenwinkeln wischen müssen, bekamen diese "Jungunternehmer" auch noch das Geld, das sie wollten. Doch dann platzte die Seifenblase und Dotcom, Nemax und "e-" wurden zu unaussprechlichen Fehlern die eine Spaß-Generation kreiert hatte und von der ohnehin niemals auch nur irgendwer gedacht hatte, dass sie Geld bringen würde.

Die gewinnfreie Zone

Natürlich gab es einige Menschen, die mit ihren Ideen in Zeiten des Dotcom-Aufschwung Geld machen konnten, der Napster-Erfinder Shawn Fanning sei hier stellvertretend genannt - aber viele andere gäbe es ohnehin nicht zu nennen. Mittlerweile wurde das Internet zur gewinnfreien Zone; mehr schlecht als recht strampeln sich die gehypten Unternehmen - auch hier gibt es natürlich einige Ausnahmen, aber auch hier nicht sehr viele - in der Welt des kostenlosen Angebots ab und versuchen zumindest verlustfrei zu wirtschaften. Viele neue Ideen, die das Geldverdienen ermöglichen könnten, müssen erst geboren werden, und das Leben ist hart - da draußen im Cyberspace.

Die Ausnahme

Und mitten in den Ruinen einer Branche, die erkennen musste, dass ein Computer noch kein Unternehmen macht und auch ein virtueller Markt hart zu beackern ist, da steht ein Mann, der es "wagt" mit kostenloser Software auch noch Geld zu verdienen und dazu nicht einmal Werbung machen muss, keine gehypten Wunschvorstellungen und schon gar keine Investoren braucht.

Schutz gegen Spyware

Der Name dieses Mannes lautet Patrick Kolla - nie gehört? - keine Sorge da sind Sie sicher nicht alleine. Aber vielleicht kennen Sie ja die Software mit der der 26-jährige Deutsche Geld verdient - diese nennt sich "Spybot- Search&Destroy" und bietet Anwendern Schutz vor unerwünschter Spyware anderer weniger erfolgreicher Unternehmen.

Testsieger mit enormen Downloadraten

"Spybot" ist eine kostenlose Software (Freeware), die so genannter Spyware, die sich in letzter Zeit immer mehr zu einer beliebten aber lästigen Werbeform in Internet gemausert hat, den Garaus machen soll. Debatten um Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre brachten Kollas Erfindung in die Schlagzeilen. Große Unternehmen erkannten erst später welch Potential dieser Markt bieten würde und müssen nun Anbieter wie Patrick Kolla oder Lavasoft mit dessen ebenfalls kostenlosen Tool "Ad-Aware" den Vortritt lassen.

Mit Spenden Geld verdienen

Wie Patrick Kolla gegenüber dem Spiegel meinte, würde erst seit Mitte des vergangenen Jahres Spenden für seine Software akzeptieren, die Jahre davor werkten er und mehrere ehrenamtliche Helfer "umsonst" an der Software. Obwohl Kolla der Meinung ist, dass nur rund ein Prozent der "Spybot"-Nutzer auch spendet, können sich die monatlichen Einnahmen mittlerweile sehen lassen und sollen einen fünfstelligen Euro-Betrag erreichen.

Studienabbrecher mit Ambitionen

Der 26-jährige Programmierer wohnt in einem 11-Quadrtameter Dachzimmer in seinem Elternhaus in Bochum und hat sein Informatikstudium schon vor einiger Zeit abgebrochen. Doch Kollas "PepiMK Software" und sein "Spybot" bieten Zuwachsraten, die selbst zu Zeiten des Dotcom-Booms für Aufsehen gesorgt hätten. Die Software hat sich ihren guten Ruf hart erarbeiten müssen und wurde durch das Freeware-Prinzip ein riesiger Erfolg. Rund 30 Millionen Seitenaufrufe pro Monat und allein bei CNet.com wurde "Spybot" seit dem 21. März über 2,3 Millionen Mal heruntergeladen. Im Spiegel-Interview antwortete Kolla auf die Frage, ob er die beste Software anbiete? "Weiß ich nicht.

"Das Prinzip Microsoft"

Das Erfolgsrezept des Programmierers benennt er mit den Worten "Prinzip Microsoft". Auch Bill Gates ist, so ist Kolla überzeugt, stolz darauf, dass sich Raubkopien von Windows und Word auf den Rechner dieser Welt verbreiten - denn "nur so konnte Microsoft zum Monopolisten werden". Das Geld verdient der Konzern ohnehin mit den folgenden Großaufträgen aus der Industrie. Dieses Konzept dürfte auch für Kolla möglich sein. Einige Unternehmen wollen seine Software in Zukunft einsetzen und sind auch bereit dafür zu zahlen. Erste Gespräche habe es gegeben und auch eine Netzwerk-Version für Unternehmen sei bereits in Planung.

Spybot bleibt Freeware

Allerdings so Kolla im Interview, soll Spybot immer Freeware bleiben - zumindest für Privatanwender. Als eine Möglichkeit schwebt dem Deutschen das Modell des Firewall-Herstellers "Zonelabs" vor, dieser bietet eine Bezahl-Version für Unternehmen und eine kostenlose Version für Privatanwender an. Das der Bedarf an einer solchen Software gegeben ist, beweist eine Schätzung von Earthlink, wonach bis zu 50 Prozent aller Internet-User kommerzielle Schnüffelprogramme auf ihren Rechnern haben würden - oft auch ohne deren Wissen. Für Unternehmen bedeutet dies nicht nur Engpässe im Datenverkehr - durch ständige Pop-Ups - sondern auch eine große Gefahr. Im schlimmsten Fall könnten auch geheime Informationen nach außen dringen.

"Der ist Doktor, das kostet"

Im Interview mit dem Spiegel offenbarte Kolla auch was er mit dem verdienten Geld so alles machen würde. Ein vierstelliger Eurobetrag würde für das Web-Hosting ausgegeben. Außerdem hätte er sich jetzt eine Eigentumswohnung gekauft - 57 Quadratmeter in einem 1962 erbauten Haus. Einen nicht zu verachtenden Kostenfaktor stellt für den Studienabbrecher aber auch sein Vater dar. Dieser arbeitet für seinen Sohn und "der ist Doktor, das kostet", schmunzelt Kolla.(red)

  • Spybot
    screenshot: spybot

    Spybot

  • Artikelbild
Share if you care.