Hyundai-Topmanager beging Selbstmord

6. August 2003, 18:56
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Sprung aus dem zwölften Stock - Chung war in politische Schmiergeldaffäre verwickelt

Seoul - Der in einen Bestechungsskandal verwickelte Geschäftsführer des südkoranischen Unternehmens Hyundai Asan hat am Montagmorgen offenbar Selbstmord begangen. Chung Mong Hun sei um 6.00 Uhr Ortszeit (23.00 MESZ) aus seinem Büro im zwölften Stockwerk des Firmensitzes in Seoul gestürzt, berichtete die Polizei. Demnach entdeckte ein Passant die Leiche des 55-jährigen Managers auf einem Parkplatz. Wie der staatliche Fernsehsender KBS berichtete, hinterließ Chung ein Testament.

Der Firmenchef war wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an einer Schmiergeldaffäre angeklagt worden, in der Südkorea sich das Zustandekommen eines historischen Gipfeltreffens mit Nordkorea im Sommer 2000 erkauft haben soll. Nach dieser als historisch gewerteten Begegnung des damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il hatte sich herausgestellt, dass Nordkorea mit Finanzleistungen an den Verhandlungstisch gelockt wurde.

Politischer Skandal

Gegen Chung lief im Zusammenhang mit dieser Affäre, die sich in Südkorea zum politischen Skandal ausweitete, ein Gerichtsverfahren. Der Anklage zufolge soll sein Unternehmen heimlich 100 Millionen Dollar (89,5 Mill. Euro) an Pjöngjang gezahlt haben. Dabei soll Chung die Bilanzbücher manipuliert haben, um diese Zahlungen zu verschleiern. Die Firmengruppe Hyundai soll der Regierung in Pjöngjang insgesamt 500 Millionen Dollar (448 Mill. Euro) zukommen lassen haben, von denen einer unabhängigen Untersuchung zufolge ein Fünftel mit dem Gipfel "in Verbindung" stand.

Der seinerzeitige Präsident Kim Dae Jung räumte kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt im vergangenen Februar ein, die südkoreanische Regierung habe Hyundai eine Zahlung in Millionenhöhe an Nordkorea gestattet. Man habe damit einem Anliegen Hyundais entsprochen, das sich zugleich mit dem Wunsch der Regierung nach Frieden und Versöhnung mit dem Norden gedeckt habe. Hyundai wollte das von einer staatlichen Bank entliehene Geld nach eigenen Angaben nutzen, um die Rechte zur Ausführung von Wirtschaftsprojekten im Nordkorea zu erwerben. Regierungsgelder sollen aber nicht geflossen sein.

Chung Mong Hun war der vierte Sohn des inzwischen verstorbenen Hyundai-Firmengründers Chung Ju Young und Bruder von Chung Mong Koo, dem Chef des Autoherstellers Hyundai Motor. Zum Zeitpunkt seines Todes war er der Geschäftsführer von Hyundai Asan, das mehrere Joint Ventures mit dem kommunistischen Norden betreibt.(APA/AP)

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    Der Sohn des inzwischen verstorbenen Hyundai-Firmengründers nahm sich das Leben

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