Friedenssoldaten gelandet

6. August 2003, 15:45
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Weißes Haus vom ersten Aufmarsch der Friedenstruppe "sehr ermutigt" - Zweites Bataillon Friedenstruppen kommt Mitte August - Mit Infografiken

Monrovia/Freetown/New York/Abuja/Washington - Nach dem Eintreffen der internationalen Friedenstruppe ECOMIL in Liberia haben auch zwei US-Kriegsschiffe die Küste vor Monrovia erreicht. Der Hubschrauberträger "USS Iwo Jima" und die "USS Carter Hall" lägen vor der liberianischen Hauptstadt, sagte ein Militärsprecher am Montag in Washington. Die Schiffe hielten seit dem Wochenende in liberianischen Gewässern auf; auf jedem von ihnen befänden sich tausend Soldaten. Ein drittes Schiff, die "USS Nashville", mit weiteren tausend Soldaten an Bord werde erwartet. Am Transport der ECOMIL-Soldaten nach Monrovia seien die US-Soldaten nicht beteiligt gewesen, sagte der Sprecher weiter.

Weißes Haus fühlt sich vom ersten Aufmarsch der Friedenstruppe "sehr ermutigt"

Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, begrüßte die Ankunft der nigerianischen ECOMIL-Vorhut. "Wir fühlen uns vom ersten Aufmarsch der afrikanischen Truppe sehr ermutigt", sagte McClellan im texanischen Crawford, wo US-Präsident George W. Bush derzeit Urlaub auf seiner Ranch macht. Die USA beteiligten sich weiterhin "aktiv" an der Aufstellung der Friedensmission, "um den Waffenstillstand zu stärken und Bedingungen für die Bereitstellung humanitärer Hilfe zu schaffen".

Nach Eintreffen der Friedenstruppen nur noch vereinzelt Gefechte

Nach dem Eintreffen des ECOMIL-Voraustrupps lieferten sich Rebellen und Regierungssoldaten in Monrovia nur noch vereinzelt Gefechte. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, waren in der Nähe der beiden von LURD-Rebellen gehaltenen Brücken zwischen dem Hafen und dem Stadtzentrum Schüsse zu hören. Das Rote Kreuz sprach von der kleinsten Anzahl Verletzter seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe vor zwei Wochen. Bei den meisten Auseinandersetzungen handelte es sich nach Angaben eines Anhängers von Präsident Charles Taylor um Regierungssoldaten, die sich um die Beute von Plünderungen stritten.

Ankunft in Hubschraubern

Nach wochenlanger Verzögerung wurde am Montag die Friedenstruppe für Liberia Wirklichkeit. Die in Tarnuniformen gekleideten Soldaten stiegen am Mittag aus mehreren Hubschraubern, die kurz zuvor auf dem Flughafen der Hauptstadt Monrovia gelandet waren. Von den Friedenstruppen erhofft sich die Bevölkerung ein Ende der jahrelangen Kämpfen zwischen Rebellen und Regierung, bei denen mehr als 200.000 Menschen getötet wurden. Die Rebellen der "Liberianischen Vereinigung für Versöhnung und Demokratie" (Lurd) kündigten an, sie würden sich aus Monrovia zurückziehen, sobald die Soldaten eingetroffen seien.

Zweite Einheit für Mittwoch erwartet

Die eingetroffenen Soldaten sind der erste Teil eines insgesamt 1.500 Mann starken nigerianischen Kontingentes einer geplanten afrikanischen Friedenstruppe. Eine zweite Einheit von 300 Soldaten wird für Mittwoch erwartet. Hunderte Menschen begrüßten die Soldaten am Flughafen und riefen begeistert "Willkommen" und "Wir wollen Frieden, nie wieder Krieg". Die ECOMIL-Vorhut soll strategisch wichtige Punkte der umkämpften Hauptstadt und vor allem bisher blockierte Hilfslieferungen sichern. Nach den Worten eines UNO-Offiziers wird die Aufbauphase der Truppe etwa acht Tage dauern. Mindestens acht Transporte täglich seien geplant; danach werde die Stationierung in langsameren Intervallen fortgesetzt.

Kommandant dämpft Erwartungen

Der Kommandant der Eingreiftruppe, der nigerianische Brigadegeneral Festus Okonkwo, dämpfte jedoch zu hohe Erwartungen. Das erste Kontingent werde zunächst nur den Flughafen sichern können, sagte Okonkwo. Letztlich soll die Truppe die Kämpfer der Rebellen und der loyal zu Präsident Charles Taylor stehenden Milizen und Truppen trennen. Insgesamt soll die Einheit, deren Führung derzeit Nigeria übernommen hat, rund 3.250 Mann umfassen. Für die Mission ist das hoch verschuldete Nigeria nach eigenen Angaben aber auf weitaus stärkere finanzielle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen.

Rebellen kündigen Zusammenarbeit an

"Die Menschen von Liberia haben zu viel und zu lang gelitten. Sie brauchen eure Hilfe", gab der UNO-Gesandte in Sierra Leone, Allan Doss, den Friedenstruppen mit auf den Weg. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia wurden die Soldaten ungeduldig erwartet. Zahlreiche Einwohner erwarben weiße T-Shirts und beschafften sich weiße Stofflappen, um den Soldaten damit zuwinken zu können.

Rebellenführer Sekou Conneh versicherte am Montag in Rom, seine Kämpfer würden mit der internationalen Truppe zusammenarbeiten. Weiter sicherte er die Übergabe des Hafens von Monrovia mitsamt seinen Lagerhäusern zu. Damit könnte die Versorgung der hungernden Bevölkerung wieder aufgenommen werden. Die Soldaten müssten für die Sicherheit der Zivilisten sorgen, sagte Conneh. "Dann können wir uns zurückziehen."

LURD-Anführer: "Wir nehmen uns Zeit"

Conneh sagte, seine rund 5.000 Kämpfer in Monrovia hätten mit dem Abzug noch nicht begonnen. "Wir wollen nicht abziehen, wenn die Friedenstruppen nicht dort sind und die Zivilbevölkerung von Truppen Taylors angegriffen werden. ... Deshalb nehmen wir uns die Zeit." Die Lurd wolle, dass Taylor sobald wie möglich das Land verlasse, sagte Conneh. Sie würde aber nicht gewalttätig werden, wenn er über den 11. August hinaus in Liberia bleibe.

Nigerias Außenminister bei Taylor

Nigerias Außenminister Oluremi Adeniji, der im Gefolge der ECOMIL-Soldaten in Monrovia eintraf, informierte Taylor in dessen Privatresidenz umgehend über die beginnende Stationierung. Nigeria hatte Taylor Exil angeboten. Dieser will jedoch nur bei freiem Geleit weichen. Seinen Rücktritt hatte er für kommenden Montag angekündigt. Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit droht Taylor der Prozess vor einem UNO-Sondergericht in Sierra Leone.

Am Freitag hatte der UNO-Sicherheitsrat die Entsendung einer Friedenstruppe in das westafrikanische Bürgerkriegsland beschlossen. Aufgabe der Mission ist der Schutz von Zivilisten sowie die Überwachung des Waffenstillstandsabkommens zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen. Die internationale Eingreiftruppe soll auch die Übergabe der Macht an einen Nachfolger kontrollieren. Taylors Machtverzicht gilt als Schlüssel für ein Ende des seit 14 Jahren andauernden Bürgerkrieges zwischen Rebellen und Regierungstruppen in dem westafrikanischen Land. Am Wochenende hatten sich Rebellen und Regierungstruppen an mehreren Fronten erneut Kämpfe geliefert.

Verstärkung für Liberia-Truppe kommt Mitte August Die schnelle Eingreiftruppe in Liberia soll am 15. August durch ein zweites Bataillon mit 850 Soldaten aus Nigeria verstärkt werden. Das kündigte ein Sprecher der UNO-Abteilung für Friedensmissionen am Montag in New York an. Nach seinen Angaben haben sich die USA bereit erklärt, den Transport des nigerianischen Bataillons aus Nigeria übernehmen.

Die Vereinten Nationen führen nach Angaben des Sprechers derzeit Verhandlungen mit etlichen Truppen stellenden Ländern. Über das Ergebnis wollte sich der Sprecher nicht äußern, er bezeichnete die Größe der geplanten Liberia-Truppe aber als "ziemlich ansehnlich".

Nigerianische Friedenstruppen sollen bis zur neuen Regierung bleiben

Die nigerianischen Friedenssoldaten sollen in Liberia stationiert bleiben, bis dort eine gewählte Regierung ihr Amt angetreten hat. Es sei kein zeitlicher Rahmen für die Friedensmission vorgesehen, erklärte Verteidigungsminister Oberst Ganiyu Adewale am Montag, nachdem die ersten knapp 200 Soldaten in Monrovia eingetroffen waren.

Adewale kritisierte außerdem die mangelnde finanzielle Unterstützung für die Friedensmission; besonders erwähnte er dabei die USA. Die amerikanische Regierung hat Nigeria bisher Finanzhilfen in Höhe von rund zehn Millionen Dollar (8,84 Mill. Euro) in Form von logistischer Unterstützung in Aussicht gestellt, dies sei aber "bei weitem unzureichend", beklagte Adewale. (APA/dpa/AP/Reuters)

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    Ein Soldat bewacht die Ölvorräte eines Krankenhauses in Monrovia.

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  • Soldat der Friedenstruppe ECOWAS (Economic Community of West African States)kurz nach der Ankunft per Hubschrauber in Monrovia.
    foto: epa/nic bothma

    Soldat der Friedenstruppe ECOWAS (Economic Community of West African States)kurz nach der Ankunft per Hubschrauber in Monrovia.

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