Unglück aus der Vogelperspektive

10. August 2003, 22:10
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Satellitenbilder sorgen bei großräumigen Katastrophen für schnellen Überblick

Besonders bei großräumigen Unglücken wie Tankerunfällen, Überflutungen und Flächenbränden kommen derzeit verstärkt Satellitenbilder zum Einsatz. Ende Mai sank zum Beispiel ein chinesisches Frachtschiff vor Südschweden und bedrohte die Küstenregionen mit einem 39 Kilometer langen Ölteppich. Durch die Fähigkeit des ERS-2-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation Esa, Oberflächenstrukturen zu unterscheiden und damit das im Vergleich zum Wasser glattere Öl exakt darzustellen, konnten die schwedischen Einsatzkräfte die Bewegungen des Teppichs lokalisieren. Und auch bei den Flutkatastrophen vergangenen Sommer forderte Österreich Satellitenbilder an, um zu überprüfen, ob durch die Donau ähnliche Verwüstungen wie bei der Elbe zu befürchten waren.

Für solch großflächige Aufnahmen waren die europäischen Satelliten auch bisher schon gut geeignet. Problematisch wurde es immer dann, wenn genauere Aufnahmen gefordert waren. "Bisher konnten Satelliten nur Bilder mit einer Genauigkeit von 15 Metern liefern. Die neueren kommen schon auf 2,5 Meter", schildert Achim Kamelger vom Innsbrucker Institut für Meteorologie und Geophysik, das an internationalen Überwachungs- und Modellierungsprojekten mitarbeitet. Intensiv wird an der "Übersetzung" von Radardaten aus dem Weltall in digitale Höhenmodelle geforscht. Mikrowellenimpulse von der Erdoberfläche liefern die nötigen Informationen zur Oberflächenbeschaffenheit der Erde.

Laut Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln konnten so bereits große Teil der Erdoberfläche mit einer horizontalen Auflösung von etwa 30 Metern und einer vertikalen Genauigkeit von sechs Metern visualisiert werden. Wie wichtig solche Daten sein können, zeigte sich an der Flutkatastrophe in Mosambik im Sommer 2000. Damals waren Karten- und Höhenmodelle noch sehr ungenau, weshalb die Helfer nicht simulieren konnten, wohin sich die Fluten bewegen würden. Genauere Szenarien hätten viele Menschenleben retten können. (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 8. 2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Blick auf Bagdad

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