EU will generische Arzneien fördern

5. August 2003, 19:38
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Gleichzeitig sollten Anreize für Entwicklung innovativer Mittel gegeben werden

Nicht nur die österreichische Bundesregierung, auch die EU-Kommission hat die Förderung von Generika als Heilmittel gegen sieche Gesundheitsbudgets entdeckt. Diese legalen Kopien von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist, seien "ein wichtiger Faktor für die nachhaltigere Finanzierung der Arzneimittelversorgung", stellte das Brüsseler Kollegium unlängst in einem Strategiepapier fest, das auf Initiative von EU-Industriekommissar Erkki Liikanen beschlossen wurde.

Dabei begibt sich die EU-Kommission bei der Generikaförderung auf eine Gratwanderung, zumal sie die großen forschenden Pharmakonzerne in der Union nicht verprellen will. So heißt es denn auch in der Kommissionsmitteilung von Anfang Juli: "Generische Arzneimittel können beträchtliche Einsparungen für die Versorgungsträger bedeuten, allerdings muss ihr Gebrauch durch hinreichende Anreize zur Entwicklung innovativer Mittel ausgeglichen werden."

Vorschriften für die Kostendämpfung bei den Krankenkassen sind dabei aus Brüssel allerdings nicht zu erwarten, da die Europäische Union in diesem Bereich nicht in die nationalen Sozialsysteme eingreifen darf. Die EU-Kommission will daher auf eine ausgeglichene Industriepolitik setzen und bei der EU-weiten Arzneimittelzulassung künftig einige Stellschrauben zugunsten der Generikaproduzenten drehen.

Deren europäischer Verband EGA, der EU-weit rund 500 Unternehmen in Brüssel repräsentiert, ist mit den aktuell diskutierten Gesetzesvorschlägen höchst unzufrieden. Derzeit liegt im EU-Ministerrat der Richtlinienentwurf für einen Humanarzneimittelkodex, der aus Sicht der EGA die Generikaproduktion weiter zu sehr behindert. Der Verband begrüßt zwar, dass die Hersteller künftig schon vor Patentablauf ihre Produktentwicklung starten dürften. Kritisiert aber, dass die zugunsten der Patentinhaber wirkenden Datenschutzfristen für die tatsächliche Anmeldung der Generika verlängert würden. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2003)

Von Jörg Wojahn aus Brüssel
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