Start-Ziel-Sieg für Juan Pablo Montoya

19. August 2003, 12:52
23 Postings

Coulthard und Trulli auf den Plätzen - Michael Schumacher nach Reifenschaden im Finish Siebenter - Räikkönen bei Startkollision out

Hockenheim - Juan Pablo Montoya hat am Sonntag im Formel-1-Grand-Prix von Deutschland einen souveränen Start-Ziel-Sieg gefeiert und ist nun erster Verfolger in der WM von Titelverteidiger Michael Schumacher. Der Kolumbianer triumphierte nach 67 Runden auf dem 4,574 km langen Hockenheimring im Williams-BMW vor dem Schotten David Coulthard im McLaren-Mercedes und dem Renault-Piloten Jarno Trulli aus Italien.

Ferrari-Superstar Schumacher fiel nach einem Reifenschaden im Finish noch vom zweiten auf den siebenten Platz zurück. Damit hält der Deutsche nun bei 71 Punkten und geht mit nur sechs Zählern Vorsprung auf Montoya (65) in die letzten vier Saisonrennen.

Dritter Sieg für Montoya

Für Montoya war es der zweite Sieg in diesem Jahr nach seinem Erfolg am 1. Juni in Monaco und der insgesamt dritte seiner Karriere. Seinen Premieren-Triumph hatte er am 16. September 2001 in Monza fixiert. Der bisherige WM-Zweite Kimi Räikkönen (62) schied dagegen so wie Ralf Schumacher (WM-Vierter/53) und Rubens Barrichello (WM-Fünfter/49) nach einer Startkollision aus.

"Das war ein perfektes Wochenende - vom Anfang bis zum Ende. Das Rennen ist fantastisch gelaufen. Der Start war großartig, danach musste ich eigentlich nur noch Gas geben", erklärte Montoya nach seiner ungefährdeten Solofahrt in Baden-Württemberg, die er mit dem Saison-Rekordvorsprung von 1:05,459 Minuten auf Coulthard beendete. Nach dem viertplatzierten spanischen Renault-Jungstar Fernando Alonso hatte das restliche Feld bereits zumindest eine Runde Rückstand auf den Triumphator.

Berger brennt auf WM-Titel

"Juan Pablo hat jetzt große Chancen auf den WM-Titel, und auch in der Konstrukteurswertung fehlen uns nur noch zwei Zähler auf Ferrari. Das wird ein spannendes WM-Finale, in dem noch alles für uns drin ist", prophezeite der scheidende BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger, der eigentlich nach dem Grand Prix in Monza am 14. September in "Pension" gehen wollte. Der 43-jährige Tiroler wird nun aber vielleicht doch zum letzten WM-Lauf am 12. Oktober in Japan reisen. "Wenn wir eine Titelchance haben, verspreche ich, in Suzuka dabei zu sein."

Der zwölfte WM-Lauf begann im wahrsten Sinne des Wortes mit einem "Knalleffekt", denn unmittelbar hinter Pole-Mann Montoya krachte es gewaltig: Der von Position drei gestartete Ferrari-Pilot Rubens Barrichello wurde vom schlecht weggekommenen Ralf Schumacher (Position zwei) im Williams-BMW und vom außen heranflitzenden McLaren-Mercedes-Jungstar Kimi Räikkönen (fünf) in die Zange genommen - die Folge war ein Horrorcrash, in dessen Zuge aber kein Fahrer verletzt wurde.

Spektakuläre Startkollision

Am schlimmsten erwischte es Räikkönen, dessen "Silberpfeil" beim extrem harten Aufprall in den Reifenstapel der ersten Kurve total zerstört wurde. Barrichello blieb dagegen mit einem weggebrochenem Vorderrad liegen, während Ralf Schumacher seinen Heim-GP wegen eines kaputten Seitenkastens sowie Schäden am Unterboden und Kühler nach der ersten Runde in der Box aufgeben musste. Es war der erste Ausfall der Saison des Wahl-Österreichers, der vor seinem neunten Rang in Großbritannien die ersten zehn WM-Läufe stets in den Punkterängen beendet hatte und nun nur noch rechnerisch eine Titelchance hat. "Die Sache hat sich heute erledigt", glaubte der sichtlich enttäuschte 27-Jährige, dass er die Fahrer-WM bereits abschreiben kann.

"Ich hatte überhaupt keine Chance. Ralf kam von rechts, Kimi von links - die haben mir überhaupt keinen Platz gelassen. Ich konnte gar nichts machen", lautete der fassungslose Kommentar von Barrichello, der zwei Wochen nach seinem fantastischen Silverstone-Triumph zum Handkuss kam. Neben den drei Spitzenpiloten mussten auch noch drei andere Fahrer - Heinz-Harald Frentzen (Sauber), Ralph Firman (Jordan) und Jaguar-Debütant Justin Wilson - in der Anfangsphase aufgeben, da es auch im hinteren Teil des Feldes krachte.

Drei-Stopp-Strategie der Spitzenteams

Die Folge dieser Startkollisionen war eine Safety-Car-Phase. In Runde vier, als sämtliche Wrack-Teile vom Kurs entfernt worden waren, erfolgte der Restart. Zu diesem Zeitpunkt führte Montoya vor Trulli, Alonso und Michael Schumacher, die auf Grund der Reifen-mordenden Hitze allesamt ursprünglich auf eine Drei-Stopp-Strategie gesetzt hatten. Erst in der 31. Runde - kurz vor der zweiten Boxen-Phase - änderte sich etwas an dieser Reihenfolge, denn nach einem Ausritt von Alonso kam Schumacher auf Platz drei vor.

Während Montoya an der Spitze mit zumindest einer Minute Vorsprung auf die Konkurrenz einsam seine Runden drehte, kam im Kampf um Platz zwei im Finish Spannung auf, da Trulli, Titelverteidiger Schumacher und der zu diesem Zeitpunkt viertplatzierte Coulthard ihre Strategie auf zwei Stopps änderten. Zunächst schien sich dies vor allem für "Schumi" auszuzahlen, denn in der 60. Runde ging er mit einem waghalsigem Überholmanöver unter dem Jubel der tausenden Fans an Trulli vorbei. Wenig später zeigte auch Coulthard dem Italiener den Auspuff.

Ein Platter beim Weltmeister

Doch in der 64. Runde folgte die verhängnisvolle Szene für den fünffachen Champion: Der linke Hinterreifen platzte und blockierte. Schumacher rettete sich zwar noch an die Box, doch sein Vorsprung in der WM schmolz mit einem Schlag von potenziellen zwölf auf sechs Zähler zusammen. "Platz zwei wäre heute das Maximum gewesen, der 'Platte' hat uns diesen aber gekostet", lautete der zerknirschte Kommentar des 34-jährigen Vorjahrs-Siegers. "Ich hoffe, wir können uns in drei Wochen in Budapest besser verkaufen." (APA)

Endstand nach 67 Runden bzw. 306,458 Gesamtkilometern:

1. Montoya (COL) Williams-BMW 1:28:48,769 Std.
(Schnitt: 207,036 km/h)
2. Coulthard (GBR) McLaren-Mer. + 1:05,459 Min.
3. Trulli (ITA) Renault + 1:09,060
4. Alonso (ESP) Renault + 1:09,344
5. Panis (FRA) Toyota + 1 Runde
6. da Matta (BRA) Toyota + 1 Runde
7. M. Schumacher (GER) Ferrari + 1 Runde
8. Button (GBR) BAR-Honda + 1 Runde
9. Villeneuve (CAN) BAR-Honda + 2 Runden
10. Heidfeld (GER) Sauber-Petronas + 2 Runden
11. Webber (AUS) Jaguar-Cosworth + 3 Runden
12. Kiesa (DEN) Minardi-Cosworth + 5 Runden
13. Fisichella (ITA) Jordan-Cosworth + 7 Runden

Nur diese 13 Fahrer in der Wertung.

Ausgeschieden: Heinz-Harald Frentzen (GER) Sauber-Petronas, Jos Verstappen (NED) Minardi-Cosworth, Justin Wilson (GBR) Jaguar-Cosworth, Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes, Ralf Schumacher (GER) Williams-BMW, Ralph Firman (GBR) Jordan-Cosworth, Rubens Barrichello (BRA) Ferrari

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der große Sieger von Hockenheim: Juan Pablo Montoya

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Räikkönen fliegt in der ersten Kurve nach Kollison mit Barrichello und Ralf Schumacher ab.

Share if you care.