Palästinenser empört über Zahl der angekündigten Freilassungen

5. August 2003, 08:16
17 Postings

Israel will nur 342 Palästinenser freilassen - Fast 200 Personen weniger als geplant - Arafat spricht von Täuschung

Jerusalem - Israel hat für Mittwoch die Freilassung von 342 palästinensischen Gefangenen angekündigt und mit der Zahl bei der Palästinenser-Regierung Empörung ausgelöst. Israel hatte ursprünglich die Entlassung von 540 Gefangenen angekündigt, während die Palästinenser die Freilassung aller 6000 Gefangenen fordern. Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zeigte sich am Montag aufgebracht über die Häftlingsliste: "Ist das eine Täuschung? Wollen Sie Nationen täuschen?"

Geduld der Hamas geht zu Ende

Die radikale Gruppe Hamas, die wie andere militante Gruppen einen vorübergehenden Gewaltverzicht ausgerufen hat, erklärte, ihre Geduld gehe zu Ende. Mehrere israelfeindliche Gruppen haben mit dem Ende der dreimonatigen Waffenruhe gedroht, sollten die Häftlinge nicht freikommen.

Gefangenenfrage lastet schwer auf Umsetzung des Friedensplans

Die Gefangenenfrage erschwert die Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans, der die Bildung eines Palästinenser-Staates bis 2005 ermöglichen soll. Der israelische Armeerundfunk berichtete unterdessen von einem eventuellen Treffen des palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas mit seinem israelischen Kollegen Ariel Sharon am Mittwoch. Es wäre das erste Treffen der beiden Regierungschefs seit ihren getrennten Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush im Washington im Juli. Weder Israel noch die Palästinenser äußerten sich zu dem Bericht.

Israel lehnte am Wochenende Offert der Palästinenser ab

Die Palästinenser-Regierung hatte Israel am Wochenende angeboten, sich im Gegenzug für weitere Fortschritte im Friedensprozess bei den radikalen Gruppen für eine Ausweitung der bis Ende September befristeten Waffenruhe einzusetzen. Israel hatte die Offerte abgelehnt und gefordert, dass die Palästinenser-Regierung die "terroristische Infrastruktur" im Westjordanland und im Gaza-Streifen zerschlagen müsse.

Israel hatte den von radikalen Palästinenser-Gruppe am 29. Juni ausgerufenen vorläufigen Gewaltverzicht mit Vorbehalten aufgenommen und erklärt, er könne kein Ersatz für die Zerschlagung extremistischer Gruppen sein. Die israelische Regierung wirft den radikalen Gruppen wie Hamas und Islamischer Dschihad vor, die Waffenruhe für eine Neugruppierung nutzen zu wollen. (APA/Reuters)

Share if you care.