MI-6-Chef will vorzeitig aus dem Amt

5. August 2003, 18:16
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Chef des Auslandsgeheimdienstes angeblich über Irak-Politik von Premier Blair verärgert

London - Der Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI 6 tritt nächstes Jahr zurück, angeblich aus Verärgerung über die Irakpolitik von Premierminister Tony Blair. Britische Zeitungen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt berichtet, der Geheimdienst sei empört darüber, dass die Regierung seine Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen öffentlichkeitswirksam aufbereitet und dadurch verzerrt habe. Die Zeitung The Observer wertete dies am Sonntag als einen "neuen Schlag für die Glaubwürdigkeit der Regierung".

Ein Sprecher des Außenministeriums sagte dagegen, der Rücktritt des MI-6-Chefs Sir Richard Dearlove (58) im August 2004 habe nichts mit dem Irak zu tun. Er erfolge auch nicht vorzeitig, sondern regulär.

Das britische Verteidigungsministerium bestritt wiederum einen Zeitungsbericht, wonach es ein möglicherweise brisantes Dokument zur Kelly-Affäre verbrennen wollte. Der Daily Telegraph berichtete, es habe sich dabei um einen "Medienplan" zum Umgang mit dem Waffenexperten David Kelly gehandelt.

Verteidigungsminister Geoff Hoon will indes nicht an der Beerdigung des Waffenexperten teilnehmen, der vor seinem Tod im Dienst der Regierung stand. Der Minister wird stattdessen mit seiner Familie in den lange geplanten Urlaub in die USA fahren. Kelly soll am Mittwoch bestattet werden. (dpa, AP/DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2003)

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    Kelly-Begräbnis: Verteidigungsminister Hoon fährt in Urlaub.

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