USA setzen Niger in Uran-Affäre unter Druck

4. August 2003, 20:16
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"Sunday Times": Washington forderte angeblich Niger zum Schweigen auf

London - Die USA haben einem Pressebericht zufolge Niger in der Uran-Affäre unter Druck gesetzt. Die britische Zeitung "Sunday Times" berichtete unter Berufung auf ranghohe nigrische Regierungsbeamte, der frühere stellvertretende US-Staatssekretär für Afrika, Herman Cohen, habe in der vergangenen Woche dem nigrischen Präsidenten, Mamadou Tandja, zu verstehen gegeben, dass Washington keine weiteren Äußerungen zu diesem Thema wünsche. "Im Grunde hat er gesagt, dass Niger die Klappe halten soll", sagte ein Beamter der Zeitung. Die US-Regierung dementierte dies gegenüber dem Blatt.

Ein nigerischer Beamter sagte dagegen, Cohen habe Tandja "einen freundschaftlichen Arm um die Schulter gelegt und dann fest genug zugedrückt, um die Botschaft zu überbringen". Cohen habe die Konsequenzen zwar nicht ausgesprochen. Dennoch werde Niger dem Druck nachgeben. "Jeder in Niger weiß, was es heißt, die USA oder Großbritannien zu verärgern", sagte der Regierungsbeamte. "Wir sind das zweitärmste Land der Welt, wir brauchen internationale Hilfen, um zu überleben."

Der nigerische Ministerpräsident, Hama Hamadou, hatte dem "Sunday Telegraph" vor einer Woche gesagt, dass sein Land nie mit dem Irak über Uran verhandelt habe. Der britische Premierminister Tony Blair solle für seine Anschuldigungen Beweise liefern. Blair hatte Mitte Juli vor dem US-Kongress gesagt, London wisse ganz "sicher", dass der Irak in den 80er Jahren 270 Tonnen Atommaterial von Niger gekauft habe. Die britische und die US-Regierung waren in den vergangenen Wochen zunehmend in die Kritik geraten, weil Blair und US-Präsident George W. Bush vor dem Irak-Krieg behauptet hatten, Bagdad habe in Niger Uran zu kaufen versucht. Bush hatte bei einer Rede im Jänner gesagt, die britische Regierung habe erfahren, "dass Saddam Hussein kürzlich versucht hat, bedeutende Mengen Uran in Afrika zu erwerben". (APA)

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