Gusenbauer: "Gleiche Leistung bei gleichen Beiträgen"

4. August 2003, 13:55
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Best Practice-Modelle der Kassen forcieren, Medikamentenkosten senken

Wien - Die SPÖ will bis 2005 im Gesundheitsbereich eine Harmonisierung der Beitragszahlungen umgesetzt sehen. "Es muss gelten: gleiche Leistung bei gleichen Beiträgen", sagte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer. Weitere Eckpunkte einer SPÖ-Gesundheitsreform: eine Neuordnung zwischen Leistungen der Krankenhäuser und der niedergelassenen Ärzte, die Schaffung geriatrischer Akubetten, das Forcieren von Best Practice-Modellen in den einzelnen Kassen, das Formulieren von Gesundheitszielen sowie die von Gusenbauer in der Vorwoche bereits angesprochene Reduktion der Medikamentenkosten.

Eines machte der SPÖ-Chef klar: anzusetzen ist bei einer Reform der Abläufe. Gleich über höhere Beiträge oder Selbstbehalte zu diskutieren lehne die SPÖ ab. Darüber sollte man erst reden, würde sich nach der Ausschöpfung aller effizienzsteigernder Maßnahmen immer noch eine Finanzierungslücke ergeben.

Heute gebe es in den verschiedenen Kassen verschiedenste Beitragssysteme: hohe Beiträge und niedrige Selbstbehalte, niedrige Beiträge und höhere Selbstbehalte - und damit einhergehend auch unterschiedliche Leistungen für den einzelnen Versicherten. Hier will die SPÖ ansetzen und ein einheitliches Beitragssystem mit ebenfalls einheitlichen Leistungen für den Patienten schaffen.

Ob das auch eine sofortige Zusammenführung der einzelnen Krankenkassen bedeute? "Nein", sagt Gusenbauer dazu. Dazu würde es eines zu großen Kraftaktes bedürfen. Hier könne man nur schrittweise vorgehen. Was der SPÖ vorschwebt sei in einem ersten Schritt ein verstärktes Augenmerk auf bereits existierende Best Practice-Modelle zu legen. Daraus sollten sich in den einzelnen Bundesländern Kompetenzzentren entwickeln. Soll heißen: sei etwas ein Bundesland besonders effizient in einem bestimmten Segment, sollen dort für die anderen Länder ähnliche Konzepte entwickelt, also dieses Know-How weitergegeben werden.

Neue Technologien nutzen

In ihren Überlegungen setzt die SPÖ auch massiv auf neue Technologien. So will sie den stetig steigenden Medikamentenkosten vor allem mit entsprechender Computersoftware zu Leibe rücken. Geht es nach Gusenbauer sind alle niedergelassenen Ärzte mit den Kassen vernetzt. Benötigt ein Patient ein Medikament würde der Mediziner lediglich den gebrauchten Wirkstoff eingeben und der Computer dann das zur Zeit kostengünstigste Arzneimittel anzeigen. Von dieser Verschreibung abgehen solle der Arzt nur, wenn er Kontraindikationen sehe - und die Entscheidung für das teurere Medikament müsste der Mediziner dann begründen.

Aus dieser Methode könnte man in zwei Punkten profitieren: einerseits könnten die Ärzte für einen sparsameren Umgang mit Medikamenten animiert werden. Denn verschreibe ein Mediziner zu oft anders, spricht sich Gusenbauer ja auch für Sanktionen seitens der Kassen aus. Die daran vorgebrachte Kritik der Ärztekammer bezeichnet Gusenbauer als Ausdruck einer antiquierten Ständepolitik zurück. Zweitens werde so aber auch herausgefiltert, ob es an einem Ort bzw. bei einem Arzt zu besonders häufigen Verschreibungen eines bestimmten Medikaments komme. Das lasse etwa Rückschlüsse auf Umwelteinflüsse zu, wo in der Folge bei konkreter Umweltverschmutzung angesetzt und damit Erkrankungen vermieden werden könnten.

Untersuchungsergebnisse auf Chipcard

Doch auch in einem zweiten Bereich sieht die SPÖ Verbesserungsmöglichkeit mit Hilfe von Datenvernetzung. Auf der Chipcard, die endlich eingeführt werden müsse, könnten - zuvor standardisierte - Untersuchungsergebnisse erfasst werden, sagte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer im APA-Gespräch. Das würde helfen, das Verhältnis von Spitälern zu den niedergelassenen Ärzten neu zu ordnen, hofft Gusenbauer. Durch das Abspeichern der Untersuchungsergebnisse würden nämlich Doppelgleisigkeiten wegfallen und der Patient eine Untersuchung jeweils nur einmal machen müssen.

Zur Diskussion um das Schließen von Spitälern hält der SPÖ-Chef fest: dazu komme von der Sozialdemokratie ein klares Nein. Vielmehr sollten in den Regionen Spitalsverbünde entstehen, wo man an den einzelnen Häusern jeweils Schwerpunkte, also nicht mehr alles in jedem Krankenhaus anbiete. Stichwort Spitalsbetten: hier fordert die SPÖ die Schaffung von "geriatrischen Akutbetten". Derzeit gebe es einerseits Akutbetten in Spitälern und Pflegebetten in Pflegeheimen. Die sich ändernde Altersstruktur der Patienten erfordere aber ein Umdenken. Es müsse daher ein Plan entwickelt werden, wie viele derzeitige Akutbetten in geriatrische Akutbetten umzuwandeln seien.

Gesundheitsziele formulieren

Generell will die SPÖ "Gesundheitsziele" formulieren. Als Beispiel nannte der SPÖ-Chef etwa bis 2010 die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Unter-60-Jährigen um 20 Prozent zu reduzieren. Solche Ziele sollten österreichweit festgeschrieben und dann für die Kassen ein entsprechendes Anreizsystem geschaffen werden.

Zum Thema Selbstbehalte sagt Gusenbauer: diese dürften das derzeitige Niveau nicht überschreiten. Abgeschafft werden sollten sie aber auch nicht, da es sonst beim Patienten, aber auch beim Verschreibenden zu wenig Kostenbewusstsein gebe. Als Beispiel nannte der SPÖ-Chef hier Heilbehelfe. Nachdenken sollte man aber über Änderungen in Spezialbereichen. Hier führte Gusenbauer als Beispiel Zahnspangen und Kieferregulierungen an. Sozial Schwächeren sollte hier unter die Arme gegriffen werden, denn sonst werde auf Regulierungen verzichtet und das schlage sich dann wieder in Folgekosten auf Grund von Fehlstellungen und den damit einhergehenden Problemen nieder. (APA)

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