UNICEF warnt vor Ausbreitung von Seuchen

4. August 2003, 12:58
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300.000 Menschen in Monrovia ohne Nahrungsmittel

Monrovia/Wien - Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF berichtet von einer wachsenden Zahl von Cholerafällen in der umkämpften liberianischen Hauptstadt Monrovia. Die Ausbreitung von Cholera und anderen Krankheiten wie Masern, Typhus und Tuberkulose sei angesichts der katastrophalen hygienischen Verhältnisse in den über 85 überfüllten Flüchtlingslagern kaum zu verhindern. Rund 300.000 Menschen sind ohne Nahrungsmittel, und praktisch die gesamte Bevölkerung Monrovias von rund einer Million Menschen hat kein sauberes Wasser, heisst es in einer Aussendung der UNO-Organisation vom Samstag.

Viele Flüchtlingsfamilien könnten sich keine Lebensmittel mehr kaufen, da der Preis für Reis in den vergangenen Wochen um das Vielfache stieg. UNICEF berichtet ferner von ungezählten Menschenrechtsverletzungen. Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, würden ausgenutzt und sexuell missbraucht. Alle Kriegsparteien setzten Kinder als Soldaten ein, einige Kampfeinheiten bestünden zu 70 Prozent aus Kindern und Jugendlichen.

Kinder am Härtesten getroffen

Am härtesten von den anhaltenden Kämpfen in Monrovia sind Frauen und Kinder betroffen. Nahezu die Hälfte der Notleidenden sind nach UNICEF-Angaben Kinder und Jugendliche. Vor allem Kleinkinder leiden unter Durchfall und Mangelernährung. Schon vor Ausbruch der Kämpfe waren 40 Prozent der Kinder in Liberia chronisch mangelernährt.

Alle Hilfsorganisationen in Monrovia warten unterdessen dringend auf das Eintreffen der internationalen Friedenstruppe. Die rund 40 liberianischen UNICEF-Mitarbeiter in Monrovia können sich aufgrund der Unsicherheit nicht frei bewegen, beklagt die Organisation. UNICEF habe in vergangene Woche vergeblich versucht, ein Schiff mit über 56 Tonnen dringend benötigter Hilfsgüter nach Monrovia zu bringen. Sobald die Sicherheitslage es erlaube, wolle UNICEF umfangreiche Hilfsmaßnahmen durchführen, wie medizinische Versorgung und Zusatznahrung für 350.000 Menschen, Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Schutz für elternlose Kinder in Auffangzentren. Auch solle ein Programm zur Demobilisierung und Wiedereingliederung der schätzungsweise 10.000 Kindersoldaten so schnell wie möglich gestartet werden. (APA)

UNICEF-Österreich bittet dringend um Spenden für die notleiden Kinder in Liberia unter dem Spendenkonto PSK 15 16 500 oder Spenden im Internet: unicef.at
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