Mali: Entführer der Sahara-Touristen verärgert über Vermittlung

3. August 2003, 15:14
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"Kopfgeldjäger" wollen Geiseln auf eigene Faust befreien

Bamako/Berlin - Angesichts der zunehmenden Bemühungen um eine Freilassung der Sahara-Geiseln steigt offenbar die Nervosität der Entführer. Gegenüber einem Mittelsmann der Regierung von Mali hätten sie "klar ihre Verärgerung über die Vielzahl der Vermittlungsversuche geäußert", sagte ein hoher Regierungsbeamter in Bamako am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Seinen Angaben zufolge wird auf drei Kanälen mit den Geiselnehmern verhandelt: Die deutsche Bundesregierung und die malische Regierung stünden jeweils über eigene Gewährsleute mit den Geiselnehmern im Norden Malis in Kontakt. Zudem seien selbst ernannte einheimische Vermittler aktiv, die gegen eine Beteiligung an Lösegeldzahlungen die Geiseln auf eigene Faust befreien wollen.

Die Regierung in Berlin habe ihren Vermittlern zwei allradgetriebene Geländefahrzeuge für die Reise in den unwegsamen Norden Malis zur Verfügung gestellt, sagte der malische Beamte. Die Verhandlungen der Mittelsmänner, zu deren Identität der Beamte keine Angaben machte, würden von der Bundesregierung "voll und ganz unterstützt". Zugleich forderte er Deutschland auf zu akzeptieren, dass die "Koordination" der Verhandlungen bei der malischen Regierung liegen müsse, "weil die Zeit drängt".

Örtlicher Würdenträger

Im Auftrag der malischen Regierung steht ein örtlicher Würdenträger aus Nord-Mali mit den Geiselnehmern in Kontakt, wie AFP aus dem Umfeld des Vermittlers erfuhr. Er habe Mitte der Woche zwei der Geiselnehmer auf malischem Staatsgebiet getroffen. Die Geiselnehmer hätten zugesagt, aus Sicherheitsgründen nicht mehr nach Algerien zurückzukehren, wo sie im Februar und März die ausländischen Touristen entführt hatten.

Bei den selbst ernannten Vermittlern handelt es sich nach Angaben des Regierungsbeamten in Bamako um "Kopfgeldjäger", die finanziellen Vorteil aus einer mit Lösegeld verbundenen Geiselbefreiung schlagen wollen. Die Geiseln hielten sich im Bergmassiv Adrar des Iforas im malisch-algerischen Grenzgebiet nahe der Ortschaft Kidal auf. In dieser Gegend sei auch das Videoband der Entführten aufgenommen worden, das der malischen Regierung zugespielt wurde. Die unwegsame, dünn besiedelte Bergregion ist mehrere tausend Quadratkilometer groß; sie wird allenfalls von Nomaden durchstreift.

Insgesamt 32 europäische Urlauber waren zwischen Mitte Februar und Ende März in der algerischen Sahara verschleppt worden, darunter 16 Deutsche. Im Mai wurden 17 Geiseln durch die algerische Armee befreit, darunter zehn Österreicher. Zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer blieben in der Gewalt der vermutlich radikalislamischen Entführer. Eine deutsche Geisel starb inzwischen an den Strapazen. (APA)

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