Deutscher Verfassungsschutz beobachtet saudiarabische Einrichtungen

4. August 2003, 06:38
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Wende in den Beziehungen - Riad unterstützt angeblich El Kaida

Hamburg - Saudiarabien ist laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ins Visier des deutschen Verfassungsschutzes geraten. Wie das Magazin am Samstag vorab berichtete, überwacht das Bundesamt für Verfassungsschutz seit kurzem saudiarabische Einrichtungen und diplomatische Dependancen in Deutschland. Künftig zähle das Königreich wie Syrien zu den Ländern des "islamischen Gürtels", die eine besondere Bedrohung darstellten. Bisher habe das Land als Partner gegolten und sei nicht beobachtet worden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz war für eine Bestätigung zunächst nicht zu erreichen. Die deutschen Behörden gehen dem Bericht zufolge dem Verdacht nach, dass Saudiarabien terroristische Strukturen des Netzwerks El Kaida unterstütze. Vor allem das Religionsministerium fördere militante Mujaheddin "mit Rat und Tat", zitiert das Magazin einen deutschen Sicherheitsbeamten.

Kehrtwende

Grund für die Kehrtwende in den Beziehungen ist laut "Spiegel" der Fall eines mittlerweile aus Deutschland zurückgekehrten Attaches der saudiarabischen Botschaft in Berlin. Der Leiter der "Islamischen Abteilung" sei deutschen Ermittlern aufgefallen, weil er enge Kontakte zu mehreren mutmaßlichen Terroristen unterhalten hatte. Er soll auch mehrere hunderttausend Euro an eine Berliner Moschee vermittelt haben, in der sich die Verdächtigen getroffen hätten. Das Geld stamme von einer Stiftung aus Riad, die ebenfalls als Unterstützerin für radikale Islamisten gelte und im Zusammenhang mit dem US-Untersuchungsbericht zu den Terror-Anschlägen des 11. September genannte werde, schreibt der "Spiegel".

In den unter Verschluss gehaltenen Passagen des Berichts des US-Kongresses zum 11. September soll es um die Rolle Saudiarabiens bei den Terroranschlägen gehen. Die saudiarabische Regierung protestierte gegen die Verdächtigungen auf Grund geheim gehaltener Dokumente, räumte aber ein, dass das Königreich von El Kaida infiltriert sein könnte. (APA/AP)

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