"Menschen so lange wie möglich daheim pflegen"

9. Oktober 2013, 18:15
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Pflegeaktivist Katzianka fordert Umdenken - Grüne machen Pflegeregress zum Bundesthema

Graz/Wien - Klaus Katzianka ist empört: "Das Land Steiermark hat problemlos 15 bis 20 Millionen Euro an Prämien für Gemeindezusammenlegungen zur Hand. Jedoch neun Millionen zur Abschaffung des wirklich ungerechtfertigten Pflegeregresses sind leider nicht aufzubringen."

"Pflegeaktivist" Katzianka ist seit Geburt auf Hilfe und Pflege rund um die Uhr angewiesen und er war einer der Ersten in Österreich, der für sich selbst und schließlich professionell über ein eigenes Unternehmen eine 24-Stunden-Pflege organisierte. Katzianka hat sich vor Jahren auch für ein Pflegevolksbegehren starkgemacht. Jene neun Regressmillionen, die das Land Steiermark zur Sanierung des Budgets heranzieht, seien jedenfalls "relativ problemlos" durch eine Umschichtung der öffentlichen Gelder von der stationären Heimpflege hin zu mobilen Betreuungen und "Zu-Hause-Pflege" hereinzubringen", argumentiert Katzianka.

"Niemand stellt sich der wahren Situation. Es wird nie eine breite Diskussion mit allen, die das Thema Pflege betrifft, geführt. Die wirklich Betroffenen werden in Wahrheit überhaupt nie miteinbezogen. Man muss endlich nach Lösungen suchen, die im Interesse der Betroffenen sind und nicht im Interesse der staatlichen Trägerorganisationen. Es braucht eine sanfte Umschichtung von stationärer Betreuung in häusliche, in mobile und vor allem viel flexiblere Betreuung, ein vernünftiger Mix. Natürlich brauchen viele Menschen, wenn es wirklich nicht mehr geht, auch die Möglichkeit einer stationären Pflege in einem Heim", sagt Katzianka im Gespräch mit dem STANDARD. Das politische Ziel müsse aber sein, die betroffenen Menschen so lange wie möglich zu Hause zu versorgen. Katzianka: "Wir wissen auch, dass ein stationärer Aufenthalt doppelt soviel kostet als eine Versorgung zu Hause."

Der Grüne Landessprecher Werner Kogler will den steirischen Pflegeregress nun auch zum politischen Bundesthema machen. Er werde die Problematik in die laufenden Verhandlungen auf Bundesebene mit SPÖ und ÖVP einbringen: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es gelingen wird, dass schlussendlich SPÖ und ÖVP in ihrem Regierungsübereinkommen eine Formel finden werden, die zum Ende des ungerechten Pflegeregresses in der Steiermark führen wird", meint Grünen-Politiker Kogler. (Walter Müller, DER STANDARD, 10.10.2013)

  • "Niemand stellt sich der wahren Situation", sagt "Pflegeaktivist" Katzianka.
    foto: dpa/pleul

    "Niemand stellt sich der wahren Situation", sagt "Pflegeaktivist" Katzianka.

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