"Werden eh immer auf Konsens kommen"

9. Oktober 2013, 17:36
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Fast öffentlich-rechtlich ausgewogen präsentierten die Privatsender Wünsche an die Regierung den Klubchefs mit dem General des ORF. Der sieht sein Haus von den privaten Hühnern perfid zu Schinken zerlegt. Dann raten die Privaten dem "fetten" ORF zur Diät.

Wien – Die Schlüsselperson fehlte: Josef Ostermayer verhandelt Medienfragen gemeinhin lieber ohne Publikum. Für die Pointen sorgt auch in der Debatte des Privatsenderverbands Klubchef Josef Cap – und für die traditionelle sozialdemokratische Grundsatzposition: "Wir werden eh immer auf einen Konsens kommen."

Nicht so einfach: Die Privaten pochen auf den Paragrafen, wonach der ORF Gebühren nur für seinen öffentlichen Auftrag einsetzen darf. Der enthält auch Unterhaltung. Doch den Privaten geht ein Öffentlich-Rechtlicher zu weit, wenn er fast alle quotenstarken US-Programme und Sport wegkaufe. "Jedes unserer Programme unterscheidet sich wesentlich von den deutschen", entgegnet ORF-Chef Alexander Wrabetz und meint Private. Sein Kommunikationschef hat Beispiele mit US-Serien bei Privaten parat.

Ham and Eggs

Wrabetz erinnert die Situation an das Huhn, das dem Schwein vorschlägt: "Machen wir gemeinsam Ham and Eggs!" Das Schwein könnte auch staunen, "wie fett ich bin", hält Verbandschef Klaus Schweighofer dagegen, und vom "Bauern für ein längeres Leben sinnvolleres Futter" verlangen.

Eher nach Diät denn nach Konsens klang ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf: Der ORF will, dass ihm die Republik auch nach 2014 Gebührenbefreiungen abgilt, mehr als 50 Millionen wären das. "Mehr Geld wird's nicht geben", betont Kopf; gegen diese Refundierung werde er sich "mit Händen und Füßen wehren". Und Kopf will jedenfalls Klubchef und Mediensprecher bleiben wie auch Cap.

"Ihr werdet diese Erpressungsversuche nicht durchhalten", erklärt Kopf noch dem ORF-Chef. Erpressung bezieht sich auf drohende Kürzungen bei Rundfunkorchester und Beiträgen zur Filmförderung. Eine mögliche medienpolitische Kompromissformel dafür haben unterdessen die Privatsendermacher gehört: 15 Millionen statt heuer noch 30 als ORF-Gebührenabgeltung für 2014. Das würde Orchester und Filmabkommen abdecken. Und im Gegenzug könnte es ähnlich mehr für Presseförderung geben, spekulieren Kundige im ORF.

Verhandeln wird all das Josef Ostermayer. Wohl als Medienminister Werner Faymanns, dem er Mittwoch beim Auftrag zur Regierungsbildung beistand, als Private und ORF debattierten. (fid, DER STANDARD, 10.10.2013)

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  • Einen interessierte das Werbevideo für die Anliegen der Privatsender nicht so (von links): Karlheinz Kopf (ÖVP), Markus Breitenecker (ProSiebenSat.1, Puls 4), Meinrad Knapp (Kronehit), Klaus Schweighofer (Styria), Alexander Wrabetz (ORF) und eben Josef Cap. (SP).  
    foto: standard/urban

    Einen interessierte das Werbevideo für die Anliegen der Privatsender nicht so (von links): Karlheinz Kopf (ÖVP), Markus Breitenecker (ProSiebenSat.1, Puls 4), Meinrad Knapp (Kronehit), Klaus Schweighofer (Styria), Alexander Wrabetz (ORF) und eben Josef Cap. (SP).  

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