Hüte: Joseph Beuys im Club

Ansichtssache10. Oktober 2013, 17:02
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Von Lanvin bis Woodwood, von John Galliano bis Acne: Kaum ein Modelabel, ob High Fashion oder Streetwear, verzichtet diesen Herbst auf extravagante Hüte. Deshalb von einem "kolossalen Hutboom" zu sprechen, hält Klaus Mühlbauer, Chef der Wiener Hutmanufaktur Mühlbauer, zumindest für heimische Verhältnisse etwas übertrieben. Der 1903 gegründete Familienbetrieb wird bereits in der vierten Generation geführt. Da sieht man einiges kommen und gehen.

"Verglichen mit den 1960er-Jahren, wo fast jeder einen Hut besaß, sind Kopfbedeckungen noch immer nicht selbstverständlich", sagt Mühlbauer. Im Unterschied zu den 1990er-Jahren aber, als man Hüte nur auf den Köpfen von alten Leuten sah, herrscht seit den Nullerjahren eine deutliche Aufbruchsstimmung. Accessoires liegen im Trend, schließlich kann man mit ihnen relativ günstig erstandene Klamotten enorm aufwerten.

Breite Krempen

Diesen Herbst werden die Hüte wieder größer: Dominierte in den letzten Jahren sowohl bei Frauen als auch bei Männern der Trilby, der kleine Herrenhut mit schmaler Krempe, so dürfen mittlerweile nicht nur die Krempen wieder breiter werden. Bereits im Vorjahr präsentierte Fashion-Vorreiter Hedi Slimane schwarze Männerhüte, die an Pastoren denken ließen. In seiner Sommerkollektion für Yves Saint Laurent schickte er Frauen mit imposanten, breitkrempigen Hüten auf den Laufsteg.

Lanvin legt diesen Herbst Modelle vor, die an Gangster erinnern. Und das dänische Label Woodwood setzt in seiner Club-Kollektion auf einen Bowery-Hut. Zwischen Club und Alltag ist übrigens auch das Mühlbauer-Thema für diesen Herbst. Und weil es im Club ruhig auch ein bisschen schriller zugehen darf, gibt es Hüte in Gelb und Royalblau, einige sogar mit ausgeblichenen Stellen, die wie gebatikt wirken. Man kann im Winter aber ruhig noch ein bisschen dezenter bleiben, nächsten Sommer dominieren bei Hüten dann ohnehin Knallfarben.

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foto: hersteller

Jehee Sheen

Der koreanische Designer Jehee Sheen, bekannt für seine minimalistische Männermode, legt eine besonders unheimliche Version eines breitkrempigen Huts, der zudem geschwungen ist, vor.

In Kombination mit schwarzen Lederhandschuhen sieht man darin wie ein exzentrischer Auftragskiller aus, über den man gerne einen Film von Quentin Tarantino sehenwürde.

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