Müssen Bilder einmal sterben

9. Oktober 2013, 18:02
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Das Galerienprojekt "curated by" fragt im fünften Jahr, wie es um die Malerei in der Kunst der Gegenwart bestellt ist

Wien - Why does anybody bother to paint? ist der Titel einer Videoinstallation der schwedischen Künstlerin Monika Marklinger in der Galerie Engholm, wo John Peter Nilsson eine Ausstellung kuratiert. Der Direktor des Moderna Museet Malmö ging davon aus, dass man das Medium heute auch jenseits von Leinwand und Öl reflektiert, und versammelte internationale Positionen, denen eine Antwort mit, aber auch ohne Farbe gelingt.

Es waren immer sehr ambitionierte Themen, denen man im Rahmen von curated by nachgegangen ist. Die fünfte Ausgabe des von Departure initiierten Projekts versucht unter dem Titel Why Painting Now? aktuelle malerische Fragen zu klären. Eva Maria Stadler, die curated by heuer zum zweiten Mal konzipierte, nahm die derzeit erhöhte Aufmerksamkeit für das Medium Malerei zum Ausgangspunkt. Ob sie den neuen Informationstechnologien etwas entgegenzusetzen vermag, ist ein Thema; ebenso das Verhältnis zwischen Bild, Text, Diskurs und Wahrnehmung oder die Frage, inwieweit sich trotz der langen, wechselvollen Geschichte überhaupt eine Neubestimmung vornehmen lässt.

Gemeinsam mit den eingeladenen, durchwegs hochkarätigen Kuratorinnen und Kuratoren sind die insgesamt 20 Wiener Galerien dazu angetreten, genau Letzteres unter Beweis zu stellen: So zeigt Performancekünstler und Kurator Ei Arakawa in der Galerie Meyer Kainer eigentlich Videos von Performances. In diesen sind jedoch Bilder von u. a. Jutta Koether, Amy Sillman integriert, die auf die Performances wiederum mit neuen Arbeiten reagierten.

Um die Grenzen des Tafelbildes zu sprengen, setzt außerdem die Galerie Charim auf Interdisziplinäres (Schnittstelle Malerei und textile Gestaltung), und die Grammatik des Mediums steht in den Galerien Kargl (Kurator Martin Prinzhorn), Krobath (Kurator Gerwald Rockenschaub) oder auch Hubert Winter (Kurator Yve-Alain Bois) im Zentrum.

Neben diesen eher formalästhetischen Zugängen werden in der Galerie Knoll auch die politisch aufgeladenen Bilder von Yelena Popova präsentiert. Freilich durften auch ein paar ältere, wichtige Bezugspunkte nicht fehlen: Das wäre zum einen sicher der belgische Maler Walter Swennen in der Galerie nächst St. Stephan. Dazu gehört aber auch Albert Oehlen, der nicht zuletzt mit Arbeiten wie Die abstrakten Bilder müssen jetzt sterben (Krinzinger Projekte) die Malerei am Leben erhielt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 10.10.2013)

"curated by": 11.10. bis 14.11.

Eröffnung 10.10., 18-21 Uhr in 20

Wiener Galerien für Gegenwartskunst www.curatedby.at

  • Seit den 1980er-Jahren befragt Albert Oehlen konsequent das Medium Malerei: "Abstrakte Bilder müssen jetzt sterben" (2004).
    foto: krinzinger projekte

    Seit den 1980er-Jahren befragt Albert Oehlen konsequent das Medium Malerei: "Abstrakte Bilder müssen jetzt sterben" (2004).

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