Forscher finden überraschende Artenvielfalt rund um kalte Quellen

12. Oktober 2013, 13:49
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Methanquellen bilden Lebensgrundlage für Bakterien, die wiederum Steinkrabben als Nahrung dienen

Der Boden der Tiefsee ist über weite Strecken eine unbelebte Wüste, doch auch hier existieren Oasen des Lebens. Diese entstehen etwa um sogenannte Cold Seeps, kalte Quellen, an denen Wasser gelöste Elemente aus dem Meeresboden herauftransportiert werden. Ein internationales Forscherteam entdeckte vor der Küste Costa Ricas, dass diese Nährstoffquellen die Grundlage für eine überraschende Artenvielfalt bilden. Die Wissenschafter fanden ein Ökosystem vor, in dem nicht nur sesshafte Organismen von der Produktivität rund um die Cold Seeps profitieren.

Grundlage dieser Lebensoasen sind spezialisierte Mikroben, die austretendes Methan und Sulfat aus dem Meerwasser in Schwefelwasserstoff umwandeln können. Dabei setzen sie Kohlendioxid frei. Andere Bakterien, von denen viele in Symbiose mit Würmern und Muscheln leben, nutzen den Schwefelwasserstoff für ihr Wachstum. In ihren Körperzellen bauen sie Kohlenstoff ein, der aus der chemischen Reaktion des Methans stammt.

Wandernde Mischkostler profitieren von Methanquellen

"Die Koexistenz bei Organismen, die sich fest an den Cold Seeps angesiedelt haben, ist bereits gut erforscht", erklärt Peter Linke. Der Biologe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist zusammen mit Helge Niemann von der Universität Basel Hauptautor der Veröffentlichung im Online-Fachmagazin "PLOS ONE". "Wir konnten jetzt einen Beweis erbringen, dass auch Krebse zu den Nutznießern der Methanquellen gehören. Damit nähern wir uns einer Antwort auf die Frage, welche Organismen von den Cold Seeps profitieren: Wandernde Mischkostler gehören offenbar auch dazu."

Auf Tauchgängen mit dem Tauchboot ALVIN und dem Unterwasserroboter QUEST vor der Küste Costa Ricas beobachteten die Forscher im Sommer 2005 an einer Methanquelle in der Nähe des Schlammvulkans "Mound 12" Steinkrabben der Gattung Paralomis, die Bakterienmatten abgrasten. "Soweit wir wissen, wurden bisher ein einziges Mal Tiefseekrabben beim Fressen an Bakterienmatten entdeckt", sagt Linke. "Unser Team war das erste, dem auch eine fotografische Dokumentation über einen längeren Zeitraum gelang, der wissenschaftliche Interpretationen zulässt."

DNA- und Isotopen-Analysen ergaben, dass sich die Krebse tatsächlich von der Bakterienmatte ernähren und größere Mengen chemisch produzierten Kohlenstoffs aufnehmen. Die Forscher haben in den Körperzellen der Tiere auch Spuren von Kohlenstoff gefunden, der unter Lichteinfluss durch Photosynthese gebildet wurde. Das Team um Linke und Niemann schließt daraus, dass Cold Seeps einen wichtigen, aber nicht den einzigen Beitrag zur Ernährung von wandernden Tieren am Boden der Tiefsee leisten. (red, derStandard.at, 12.10.2013)

  • Krabben der Gattung Paralomis machen sich in der Nähe des Schlammvulkans "Mound 12" über Bakterienmatten her. Die Beobachtungen vor der Küste Costa Ricas zeigten eine überraschende Artenvielfalt rund um sogenannte Cold Seeps.
    foto: geomar helmholtz-zentrum für ozeanforschung kiel

    Krabben der Gattung Paralomis machen sich in der Nähe des Schlammvulkans "Mound 12" über Bakterienmatten her. Die Beobachtungen vor der Küste Costa Ricas zeigten eine überraschende Artenvielfalt rund um sogenannte Cold Seeps.

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