Fassonschnitt und Vogelfutter

9. Oktober 2013, 10:33
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Jetzt werden Rosen geschnitten und Fetthennen stehengelassen - Gregor Fauma über eine sehr faire Lösung für Fauna und Flora

Oktober ist's. Schön langsam tätigt der Gärtner Tätigkeiten in Vorbereitung auf Tätigkeiten des kommenden Frühjahrs. Dazu gehört das Fassonieren der Rosen. Gerade die remontierenden, die immer wieder blühenden Rosen brauchen einen leichten Fassonschnitt. Nichts Gravierendes, aber doch von Bedeutung - denn nach diesem Schnitt gibt es für die Rose nur noch Wartezeit. Dann ist endgültig Schluss mit Schönsein.

Der Gartler und die Gärtnerin schneiden die langen Triebe - in der Fachsprache auch "Haxen" genannt - kurz, um einen gleichmäßig geformten Strauch zu erzielen. Ganz wichtig ist es, jetzt nicht mehr zu düngen; eigentlich schon lange nicht mehr zu düngen. Denn der Dünger lässt neue, weiche, nicht verholzende Triebe schießen, und die brauchen Gärtner vor den ersten Frösten nicht - sie würden abfrieren, die Investition in Biomasse wäre vergebens. Wer seit Mitte August das Düngen eingestellt hat, half damit seinen Pflanzen insofern, als diese ihre Ressourcen in das Verholzen investieren konnten. Und dickes Holz ist ein guter Schutz gegen Frost.

Gartenumgestaltung

Ein sonniger Oktobertag ist auch eine gute Möglichkeit, den Garten ein wenig umzugestalten. Warum? Weil die umgesetzten Pflanzen dann immer noch genug Zeit und ausreichend "unverfrorenes" Bodensubstrat zur Verfügung haben, um es sich gemütlich einzurichten. Und das geht ungefähr so: die Thuje vom Vorbesitzer kleinhacken, anzünden, deren Wurzelstock entfernen, in das entstandene Loch fettes Erdreich einfüllen und mit einer Schneewittchen-Rose bestücken. Diese gut eingießen, anhäufeln und im Frühjahr auf Hüfthöhe zurückschneiden. Dann kann sie 2014 ihre Pracht entfalten.

Die fette Erde kommt freilich aus dem eigenen Komposthaufen, der das ganze Jahr über brav gefüttert wurde. Teils mit Niederlagen, teils mit Altersschwachen und teils mit unerbetener Begleitvegetation. Jetzt im Oktober steht in der Regel relativ viel Verkompostierbares in den Gärten herum.

Fifty-fifty Fauna und Flora

Die Gartlerinnen und Gärtner müssen jetzt eine Entscheidung treffen: entweder pro Boden oder pro Flugtiere! Ausreißen und verkompostieren ist fein für den Boden. Als Vogelfutter stehenlassen - grad jetzt, wo es doch schon so kalt wird - ist fein für die Fauna. Aber warum nicht fifty-fifty?

Einige Vertreter der Flora, etwa Fetthenne oder Sonnenhüterich, schauen auch im Winter ganz gut aus. Deren Blütenköpfe und Stängel sind robust und bieten manchen Nütz- wie Schädlingen ein sicheres Winterquartier. Die Kohlmeisen danken es, finden sie doch genau an diesen Pflanzen vermeintlich sicher verstecktes Lebendfutter. Doch das freut wiederum die Katze.

Wem nach all diesen Tätigkeiten Zeit bleibt, kann selbstverständlich noch ein paar Zwiebel in die Erde drücken - es wäre wegen der Tulpen und Narzissen im kommenden Frühjahr. Das Warten kann beginnen. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 11.10.2013)

  • Ein Tipp vor dem Frost: Pflanzen mit robusten Stängeln wie die Fetthenne kann man den Winter über ruhig stehenlassen, weil sie frostfest sind. Als Futter für den Komposthaufen gibt es ja noch Rosen und Thujen.
    foto: ap/hermann j. knippertz

    Ein Tipp vor dem Frost: Pflanzen mit robusten Stängeln wie die Fetthenne kann man den Winter über ruhig stehenlassen, weil sie frostfest sind. Als Futter für den Komposthaufen gibt es ja noch Rosen und Thujen.

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    foto: georges desrues
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