Medienanalyst Ken Doctor: Journalismus als "Netflix für Nachrichten"

8. Oktober 2013, 13:03
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Globale Printwerbung seit 2007 um knapp 40 Prozent eingebrochen - Döpfner warnte vor Abwertung des Journalismus

Digital ist gleichermaßen Chance wie Gefahr für den Journalismus. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man sich die Überlegungen des Medienanalysten Ken Doctor zur aktuellen Situation der Branche durch den Kopf gehen lässt. Bei der "World Publishing Expo", die seit Montag in Berlin stattfindet, betonte Doctor die zunehmende Bedeutung der mobilen Nutzung von Nachrichten und sprach angesichts zunehmender Bezahlmodelle von einem "Netflix für Nachrichten", andererseits warnte er vor der Erodierung des Journalismus.

"Es werden deutlich weniger Artikel geschrieben, weil weniger Journalisten beschäftigt werden", wird Doctor im Expo-Blog zitiert. Die globalen Werbeeinnahmen im Printbereich sind Doctors Angaben zufolge zwischen 2007 und 2012 um 39 Prozent eingebrochen, was einem Minus von 51 Mrd. US-Dollar entspreche. Gerade vor diesem Hintergrund müsse man sich in den kommenden Jahren zusehends auf den Verkauf "neuer Produkte" fokussieren. In diesem Zusammenhang sprach Doctor von integriertem Marketing, das einerseits den digitalen Bereich stärker hervorhebe, andererseits auch kommerzielles Story-telling oder neue kostenpflichtige Angebote für die Konsumenten beinhalte.

Döpfners Strategie

Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer AG, ortete ebenfalls im Online-Geschäft die Zukunft der Branche. 47 Prozent der Einnahmen seines Unternehmens werden bereits online erwirtschaftet, aber man habe noch viel zu erledigen. Verleger müssten aus seiner Sicht in den Journalismus investieren, zähle letztlich doch der Inhalt. Gleichzeitig gelte es, die eigene Marke über verschiedenste Kanäle spielen zu können und damit zu stärken. Den Start der deutschsprachigen "Huffington Post" begrüße er zwar, warnte aber gleichzeitig vor einer Abwertung des Journalismus. "Wenn sie etwas für ihre Inhalte verlangen und ihre Autoren bezahlen, wäre es eine perfekte Welt."

Advertising Expenditure Forecast

Die Mediaagentur ZenithOptimedia bietet in ihrer jüngsten Studie "Advertising Expenditure Forecast" unterdessen eine leicht optimistische Aussicht für den globalen Werbemarkt. Demnach sei die Entwicklung stabiler als im Vorjahr, ein Wachstum von 3,5 Prozent wird für das Gesamtjahr 2013 weltweit prognostiziert. Diese positive Entwicklung setze sich 2014 mit plus 5,1 Prozent und 2015 mit plus 5,9 Prozent fort, wie es am Dienstag in einer Aussendung hieß.

In Österreich erwartet man für das Gesamtjahr 2013 ein schwaches Plus von 0,7 Prozent. "Für 2014 sehen wir da schon eine stabilere Rückkehr zum Wachstum", erklärte ZenithOptimedia-Österreich-Chef Erwin Vaskovich. Das Wahljahr dürfe aufgrund der Konzentration von Einmal-Effekten nicht überschätzt werden, "hilfereich ist das aber allemal".

Mobile

Klare Unterschiede zeigen sich am österreichischen Medien- und Werbemarkt bei den einzelnen Gattungen: Bei TV und Internet sei ein reales Wachstum im "höheren einstelligen Bereich" zu erkennen, das Printsegment hingegen verzeichne neuerlich ein klares Minus. Laut Vaskovich befinde sich jedenfalls mobile Werbung auf der Überholspur. "Die mobilen Endgeräte werden zunehmend zum 'First Screen' der Nutzer und die Werbeinvestitionen folgen dem Nutzungsverhalten der Konsumenten." Derzeit liege der diesbezügliche Anteil in Österreich bei 1,5 Prozent der Gesamtinvestitionen, bis 2015 erwarte sich Vaskovich einen Anstieg auf 3 Prozent. (APA, 8.10.2013)

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