Hornhaut-Transplantation rettet Augenlicht

8. Oktober 2013, 12:18
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Eine irreparabel geschädigte Hornhaut kann durch eine Spenderhornhaut ersetzt werden

Die Hornhaut des Auges gilt als Fenster zur Welt. Sie sorgt dafür, dass Lichtstrahlen ins Augeninnere gelangen. Verletzungen, schwere Entzündungen, wie z.B. Herpes, eine komplikationsreiche Graue Star-Operation oder angeborene Schäden können die Hornhaut stark eintrüben oder vernarben. Die Folge ist eine schwere Sehbehinderung oder gar Erblindung.

Eine irreparabel geschädigte Hornhaut kann – ebenso wie innere Organe – durch eine Spenderhornhaut ersetzt werden, die das Augenlicht rettet. Wie bei jeder Organtransplantation gibt es auch dabei ein gewisses Risiko der Abstoßung. Nun bewährt sich zunehmend eine durch Studien abgesicherte Operationstechnik, die dieses Risiko deutlich senkt und weitere Patientenvorteile mit sich bringt.

Sehr dünnes Transplantat

Die neue Methode der Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty (DMEK) ist auch bei komplizierten Fällen einsetzbar, wie etwa bei bereits vorangegangenen erfolglosen Hornhauttransplantationen. Die neuesten internationalen und heimischen Erfahrungen mit dem Verfahren werden im Rahmen der diesjährigen Linzer ophthalmologischen Gespräche (LOG) am 12. und 13. Oktober vorgestellt.

Bei rund einem Drittel der Betroffenen liegt das Problem in der hinteren bzw. innersten Schicht der Hornhaut: Die Funktion der Pumpzellen, die die Hornhaut ständig von Flüssigkeit befreien und somit einen klaren Blick ermöglichen, ist gestört. Für diese Patienten ist die DMEK-Technik gut geeignet: "Hier wird im Gegensatz zu anderen Methoden nicht mehr die gesamte Hornhaut oder mehrere Schichten davon, sondern nur die kranke Hornhautinnenschicht ausgetauscht", erklärt LOG-Gastgeber Siegfried Priglinger, Vorstand der Augenabteilung am AKH-Linz.

Das Transplantat ist sehr dünn, was die Sehkraft schneller und in besserer Qualität wieder herstellt. Priglinger: "Entscheidend ist, dass die Abstoßungswahrscheinlichkeit mit dieser Methode noch 25 Mal geringer ist als beim anderen nahtfreien Operationsverfahren, dem DSAEK (Anm.: Descemet's Stripping Automated Endothelial Keratoplasty)." Auch der kleinere Operationsschnitt von ca. 2,5 Milimeter habe sich, so Priglinger, ebenfalls als vorteilhaft für den Heilungsprozess erwiesen.

Grenzen der neuen Technik

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Gerald Schmidinger vom Wiener AKH: "Die Patienten erreichen schneller ein besseres Sehen. Auch dürften Transplantat-Abstoßungen nach DMEK im Vergleich zu anderen Verfahren deutlich seltener auftreten." International gehe daher der Trend, so Schmidinger, eindeutig in Richtung DMEK als empfohlenes Transplantationsverfahren bei Erkrankungen der inneren Hornhautschicht.

Nachteilig stellt sich laut Schmidinger aktuell noch die komplexe Operationstechnik dar, welche aufgrund längerer Operationszeiten auch entsprechende Umorganisationen in der OP-Planung notwendig macht. Auch sekundäre Eingriffe sind häufiger notwendig als bei anderen Techniken. "Wir gehen daher davon aus, dass das Angebot dieser Methode sich auch in nächster Zukunft auf einige spezialisierte Zentren beschränkt", so der Experte.

Die Augenabteilung am AKH Linz führt unter der Ägide von Siegfried Priglinger und Martin Dirisamer Österreichweit die meisten minimal-invasiven Transplantationen der Hornhaut, also auch DMEK-Eingriffe, durch. Neben dem Linzer AKH und dem Wiener AKH wird das DMEK-Verfahren auch an der Universitätsklinik in Salzburg angeboten. (red, derStandard.at, 8.10.2013)

  • Im Rahmen der Techniken DMEK und DSAEK werden nur noch einzelne Schichten der Hornhaut ersetzt, das gesunde Gewebe des Patienten bleibt erhalten.
    foto: siegfried priglinger, febo, akh linz, gerald schmidinger

    Im Rahmen der Techniken DMEK und DSAEK werden nur noch einzelne Schichten der Hornhaut ersetzt, das gesunde Gewebe des Patienten bleibt erhalten.

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