All you can not eat

Blog8. Oktober 2013, 14:06
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Küchenabfälle in Biogas umwandeln und damit die eigene Kochstelle betreiben: Designerin Vera Wiedermann stellte den Biomaten vor

Designerin Vera Wiedermann hatte eine Idee: Wenn wir unser Essen selbst zubereiten und auf Fertignahrung verzichten, entsteht genug Bioabfall, um unsere Kochstelle mit eigener Energie zu versorgen. Die positiven Effekte: eine ausgewogene Ernährung und Unabhängigkeit. Die mobile Kücheneinheit wäre unabhängig von Ort und Energielieferanten. Schon vor drei Jahren begann sie sich mit der Umsetzung zu beschäftigen. Technische Unterstützung bekam sie vom Institut für Verfahrenstechnik der TU Wien. Wiedermann gab den Wissenschaftern den Auftrag, die Idee auf ihre Machbarkeit zu überprüfen. "Das Ergebnis der Studie war erfreulich", sagt sie.

Denn die durchschnittlich im Haushalt anfallende Menge an Küchenabfall würde tatsächlich ausreichen, eine autarke Kochstelle mit Gas für Herd und Backofen zu versorgen. Sogar eine Umwandlung in Strom für den Kühlschrank wäre möglich, auch wenn der Energieverlust bei der Energieumwandlung sehr groß ist. Wiedermann verfolgte daher ergänzend zu diesem autarken Biogas-Konzept alternative Aufbewahrungsmöglichkeiten zum Kühlschrank im Rahmen ihrer Diplomarbeit im Bereich Industrial Design an der Angewandten.

Biogasanlage direkt in der Küche

Da die Methanogene alle Formen der menschlichen Nahrung verdauen können, sind sie ideal für die Herstellung von Methan aus Küchenabfällen geeignet. Wegen der geringeren Menge an benötigtem Ausgangsmaterial und der kurzen Fermentationszeit - das erste Gas entsteht nach einem Tag - hätte eine Küchenabfall-Biogasanlage nur ein Volumen von 60 Litern und könnte direkt in der Küche installiert werden. Nahrungsabfälle und Essensreste würden direkt nach dem Zubereiten und Kochen über eine Schleuse in den Behälter geschoben. "Das System wäre geschlossen, geruchlos, würde kein Ungeziefer oder Fliegen anziehen und wäre einfach zu bedienen und zu warten", erklärt Wiedermann ihre Erfindung.

Bioabfall gegen warme Speise

Bei der diesjährigen Vienna Design Week präsentierte die Designerin den "Biomat". Dabei wurde die Erzeugung von Energie mit kulinarischen Freuden verbunden: Im Rahmen eines temporären "Recycling-Restaurants" konnten Interessierte ihren Bioabfall für je einen Euro pro Kilogramm Preisreduktion auf die Biomat-Speisen tauschen. Für diesen Betrag konnte gegessen und getrunken werden. "Im Vorfeld des Restaurantbetriebs haben wir in der ganzen Stadt kompostierbare Bioabfallsäcke verteilt", sagt Wiedermann.

Während der einwöchigen Aktion kamen rund 200 Gäste mit 70 Kilogramm Bioabfall. Der kugelrunde Komposter wurde am letzten Festivaltag den Salat-Piraten in der Kirchengasse übergeben. Der Urbane-Gärten-Verein wird den Bioabfall über den Winter kompostieren und dann im Frühjahr wieder zum Anbau von Gemüse direkt in der Stadt verwenden. Im Sommer 2014 wird mit der Beton- oder Feldküche und den Piraten ein gemeinsames Dinner veranstaltet. "Das wird den Nährwertkreislauf in den Bäuchen unserer Gäste schließen", so Wiedermann. (Julia Schilly, derStandard.at, 8.10.2013)

  • Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, was die Designerin hier in Wien transportiert: Vera Wiedermann unterwegs mit dem Komposter.
    foto: vera wiedermann

    Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, was die Designerin hier in Wien transportiert: Vera Wiedermann unterwegs mit dem Komposter.

  • Eine Woche lang wurden Küchenabfälle gesammelt und am Schluss den Salatpiraten übergeben, die die Abfälle kompostieren werden.
    foto: vera wiedermann

    Eine Woche lang wurden Küchenabfälle gesammelt und am Schluss den Salatpiraten übergeben, die die Abfälle kompostieren werden.

  • Als ein Höhepunkt der Aktion im Rahmen der Vienna Design Week konnte Bioabfall gegen köstliche Speisen getauscht werden.
    foto: vera wiedermann

    Als ein Höhepunkt der Aktion im Rahmen der Vienna Design Week konnte Bioabfall gegen köstliche Speisen getauscht werden.

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