Linz startete als Leader in intensiven Oktober

Blog8. Oktober 2013, 00:11
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Die Termindichte in der EBEL erreicht Ausmaße wie sonst nur zu Play-Off-Zeiten, unser Eishockey-Blog behält den Überblick

Mit Anfang Oktober nahm der Spielbetrieb in der Erste Bank Eishockey Liga so richtig Fahrt auf, bis zur ersten Länderspielpause der Saison warten nun nicht weniger als 68 Spiele innert 26 Tagen. Dieses intensive Programm nehmen die Black Wings Linz als neuer Tabellenführer in Angriff, am anderen Ende des Klassements verliert Olimpija Ljubljana, das ausgerechnet gegen den Leader seinen einzigen Saisonsieg einfahren konnte, immer mehr den Anschluss. Der Backcheck zur Lage in der Liga.

599 Tage

Nach einem sehr erfolgreichen Wochenende mit klaren Heimsiegen über Villach und Székesfehérvár nimmt Linz seit Sonntag Rang eins in der EBEL ein - zum ersten Mal seit exakt 599 Tagen. Die Black Wings haben in neun Partien bisher sieben Siege eingefahren, ihr momentaner Erfolg liegt vordergründig im hohen Organisationsgrad ihres Spiels begründet. Weder offensiv (vierthöchster Schnitt an erzielten Treffern pro Auftritt) noch in den Special Teams (Platz vier in Unterzahl, Rang sieben im Powerplay) gehört man zur Ligaspitze, doch das von Trainer Rob Daum ausgetüftelte taktische Grundkonzept macht es den Konkurrenten sehr schwer, gegen Linz zum Torerfolg zu kommen.

Ein Mitgrund für den aktuell niedrigsten Gegentorschnitt aller Mannschaften ist die personelle Kontinuität: Die Oberösterreicher gingen mit der exakt gleichen Besetzung der Abwehrreihen in die Saison wie im Vorjahr, es bedurfte keiner Eingewöhnungs- und Orientierungsphase. Außerdem hat sich Goalie Mike Ouzas gut in Linz eingelebt, zuletzt feierte er fünf Siege in Folge und kassierte dabei nur 1,20 Gegentore pro Spiel.

Salzburg mit Problemen im 5-on-5

Die kompakte Spielanlage des Tabellenführers spiegelt sich auch in seiner Bilanz in Situationen bei gleicher Spieleranzahl am Eis wider, hier hat Linz doppelt so viele Tore erzielt als kassiert und weist mit +11 das deutlich beste Rating aller Teams auf.

Berücksichtigt man, dass in dieser Saison bisher 73,7 Prozent der Zeit 5-on-5 oder 4-on-4 gespielt wurde, erklärt sich auch der sehr holprige Start von Mitfavorit Salzburg. Erst die jüngsten Siege in Székesfehérvár und gegen Ljubljana ließen die Bullen aus dem Tabellenkeller auf Rang acht klettern, das Spiel bei numerischer Ausgeglichenheit bereitet der Mannschaft von Don Jackson jedoch weiterhin erhebliche Probleme, wie der zweitschwächste Saldo aus erzielten und kassierten Toren belegt.

Bulldogs auswärts bissiger

Den Tabellenrang unmittelbar vor Salzburg nimmt derzeit der Dornbirner EC ein, dessen durchaus als erfolgreich einzustufender Saisonstart besonders in guten Auswärtsleistungen begründet liegt. Gelangen im Vorjahr bei 27 Auftritten in fremden Hallen nur sechs Siege, sind es derzeit nach vier Roadgames bereits deren drei.

Allerdings sind die Bulldogs aktuell so stark von ihrem Powerplay abhängig wie kaum ein anderes Team in der EBEL: 40 Prozent ihrer Treffer erzielten die Vorarlberger bei numerischer Überlegenheit - ein Wert, der langfristig betrachtet zu hoch ist, um seriöse Hoffnungen auf einen Play-Off-Platz hegen zu können. Trainer Dave MacQueen nahm bereits mehrfach Änderungen an der Zusammenstellung der Sturmformationen vor, der weitere Saisonverlauf wird stark davon abhängen, wie viel Durchschlagskraft die Scoringlines Dornbirns im Spiel fünf-gegen-fünf entwickeln können.

Abfallende Leistungskurve

Bereits die vierte Niederlage im achten Saisonspiel mussten die Vienna Capitals am Sonntag in Graz einstecken. Zum Vergleich: Im Vorjahr dauerte es bis zur 17.Runde, ehe die Wiener zum vierten Mal als Verlierer vom Eis stapften.

Dem Vizemeister fehlte bisher die Konstanz über 60 Minuten: In der Regel sehr guten Startdritteln (13:2 Tore) folgten meist schwächere zweite (10:8) und dritte (8:8) Abschnitte, bei den vier Saisonsiegen erzielte man das Game Winning Goal im Schnitt innerhalb der ersten 15 Minuten. Die im Spielverlauf abfallende Leistungskurve wirkte sich bisher speziell in Partien gegen eher schwächere Teams aus: Ihre Niederlagen erlitten die Capitals durchwegs gegen nicht zum engsten Kreis der Titelfavoriten zählende Mannschaften.

Center-Mangel in Graz

Ein Aufwärtstrend ist derzeit für die Graz 99ers zu attestieren, die in jedem ihrer letzten vier Spiele punkteten und dadurch in der Tabelle auf Rang fünf vorrückten. Problemzone der Steirer bleibt allerdings die Offensive, nach neun Partien konnten nur vier Stürmer öfter als ein Mal anschreiben.Häufig, wie etwa beim 4:3-Sieg über Wien am Sonntag, mutiert Olivier Latendresse zum sprichwörtlichen Alleinunterhalter im Angriff, speziell bei einigen Imports besteht noch deutliches Steigerungspotenzial.

Die bisher beschränkte Feuerkraft der 99ers ist zu einem Teil auch der Zusammenstellung des Kaders geschuldet, in dem es hinter Greg Day und Francis Lemieux an adäquaten Mittelstürmern fehlt. Dadurch wird die offensive Gefährlichkeit von Graz auch mittelfristig auf zwei Angriffslinien beschränkt bleiben. Als Center in der dritten Linie versucht sich derzeit Kevin Moderer, dessen Erfolgsquote am Faceoff-Punkt gegen Teams mit starken Mittelstürmern jedoch ins Bodenlose abstürzt (Anm.: zuletzt 87 Prozent verlorene Bullies gegen Wien).

Eiszeit für österreichische Torhüter

Gut vier Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele verschärft sich die Situation rund um die Besetzung der Schlüsselposition im Tor des Nationalteams zusehends. Die nominelle Nummer eins, Bernhard Starkbaum, steht nach einem geplatzten Engagement bei den Espoo Blues in Finnland weiterhin ohne Klub und damit auch ohne Spielpraxis da. Auch in der EBEL läuft es für rot-weiß-rote Schlussmänner nicht optimal, ihre Spielanteile sanken im Vergleich zum Vorjahr erneut und liegen aktuell (28,9 Prozent) nur noch marginal über dem Tiefststand aus der Spielzeit 2008/09. Von einer Krisensituation zu sprechen, wäre verfrüht, das Trainerteam der Nationalmannschaft wird die Entwicklung der für Sochi in Frage kommenden Goalies aber mit ganz besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.10.2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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