Vokalistin mit Verve

8. Oktober 2013, 07:00
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Die famose deutsche Sängerin Dota Kehr kommt mit ihrer eindrucksvollen neuen Platte "Wo soll ich suchen" nach Österreich

Den Verlockungen der Musikindustrie seit vielen Jahren schon zu widerstehen - das zählt nicht zum Schlechtesten, was man über eine Musikerin sagen kann. Wer wie Dota Kehr die eigenen Lieder seit bald einer Dekade im Eigenverlag veröffentlicht, dabei 70.000 Tonträger absetzt und die Angebote der Major Labels ein ums andere Mal ausschlägt, der oder die hat sich offensichtlich eine stabile Meinung gebildet - zur Frage, wie viel Kompromiss Musik verträgt, die kompromisslos sein will.

Im Wortsinn

Dota Kehr, die sich zu Beginn ihres musikalischen Schaffens noch "Kleingeldprinzessin" nannte, kann überhaupt auf eine Vorzeige-Vita in Sachen Unabhängigkeit und Eigenständigkeit verweisen. So ist sie als Straßenmusikerin viele Jahre durch die Welt getingelt. Auch das ist eher nichts für Menschen, die primär des Fames wegen ins Geschäft mit den Klängen drängen.

Als man ihr vor zwei Jahren den deutschen Kleinkunstpreis überreicht, bedankt sich Dota Kehr mit den Worten: "Ich wusste gar nicht, dass ich Kleinkunst mache." Die Auszeichnung geht aber völlig in Ordnung. Dota Kehr schreibt Texte auf einem Niveau, das man in der deutschen Popmusik sonst eher vergeblich sucht. Das Goethe-Institut weiß das schon im Jahr 2006 und lädt Dota Kehr nach Russland ein. 2009 folgt Neuseeland, 2010 Zentralasien.

Konkrete Poesie

"Wo soll ich suchen" heißt Dota Kehrs neue, schon elfte Platte - und wer im Plattenladen nicht so recht weiß, wo er die suchen soll, der oder die könnte es in der Rubrik "Chanson" versuchen. Im großen Pop-Container hat Dota Kehr natürlich auch Platz. Und man kann sie umstandslos dem Singer-Songwritertum zuschlagen.

Auf der Platte empfängt uns Dota Kehr wortmächtig mit kleinen Berichten aus dem Leben. Mit Verve widmet sich diese Frau den großen Fragen. Die bekanntlich oft in den kleinen Dingen stecken. Das Licht, die Luft, der Himmel, das Wasser, der Sommer, das geliebte "Du". All das bevölkert Kehrs Lieder. Auf wundersame Weise ist das nie kitschig, tranig oder pathetisch. Es ist vielmehr: unironisch ergreifend. Die Lieder, stets dominiert von Kehrs starker heller Stimme, eröffnen einen atmosphärischen Raum, der sich musikalisch vertraut anfühlt und doch sensuchtsvoll auf mehr verweist. Dieses implizite Mehr macht Kehrs Musik so interessant.

Flügel an den Füßen

"Der Tag ist so klar, und der Himmel ist so schön", heißt es im Eröffnungstrack etwa, getragen wird das von zarten Gitarrenschlägen und Akkordeon. Track zwei, das temporeiche "Warten auf den Wind", gemahnt musikalisch an ein raueres Blumfeld-Stück. "Der Mensch ist perfekt, wenn er tut, was er kann" heißt es in "Du musst dich nicht messen". Das ist natürlich kein Aufruf, das Hobby zum Beruf zu machen und die Ausbeutung des Menschen der Effizienz halber in "Selbstverwirklichung" umzutaufen: "Ruh dich aus, setz dich hin! Es gibt für alle zu essen. Und Wasser und Luft. Du musst Dich nicht messen", heißt es im nächsten Moment.

Für "Wo soll ich suchen" hat sich Dota Kehr mit Gastmusikern zusammengetan. Da sind Blechbläser, die bald als elegische Blaskapelle, bald als energiegeladene Bigband auftreten. Da gibt es Streicher, die in Kombination mit dem Akkordeon die Stimmungen einiger Stücke gekonnt verstärken.

"Dota vertont Konsumkritik und Sehnsüchte so poetisch wie kaum jemand im deutschsprachigen Musikgeschäft - so zärtlich, witzig und gesellschaftskritisch erzählt, wie es Tucholsky für die Zwanziger tat", schreibt "Die Zeit" nicht uneuphorisch über diese Musik. In Deutschland tourt Kehr seit geraumer Zeit mit Band, im Duo oder solo durch ausverkaufte Hallen. Aus Gründen. (Lisa Mayr, dieStandard.at, 8.10.2013)

Tourdaten Dota Kehr

18.10.  SALZBURG, ArgeKultur
19.10.  WIEN, Porgy & Bess
20.10.  GRAZ,  Bang Bang Club

Link

Webseite von Dota Kehr

  • Warten auf Wind: Dota Kehr und Band.
    foto: sandra ludewig

    Warten auf Wind: Dota Kehr und Band.

  • Das Cover von "Wo soll ich suchen".
    foto: kleingeldprinzessin records

    Das Cover von "Wo soll ich suchen".

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