Dramaserie "Grand Hotel": Am Beginn die Erleuchtung

Ansichtssache7. Oktober 2013, 17:15
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Als "spanisches 'Downton Abbey'" wird die Dramaserie "Grand Hotel" beworben. Ein stattliches Haus mit herrschender und dienender Klasse, angesetzt am Beginn des 20. Jahrhunderts - auf den ersten Blick sind die Gemeinsamkeiten offensichtlich. Und beide Serien deuten bereits im symbolträchtigen Einstieg an, wo die Reise hingeht: Nicht weniger als eine Erleuchtung steht am Beginn von "Grand Hotel": Ab sofort fließt Strom in der spanischen Luxusherberge.

Bei "Downton Abbey" war es immerhin die Nachricht vom Untergang der "Titanic", mit dem die Adelsfamilie konfrontiert wurde. Hier der Aufbruch in ein neues Zeitalter, da ein früher Einbruch im unerschütterlich scheinenden Fortschrittsglauben. Zu sehen ab Dienstag, 8. Oktober, 20.15 Uhr, auf Sony Entertainment Television der deutschen Telekom und auf DVD.

Die Premiere der Schalterumlegung im Grand Hotel funktioniert reibungslos, allerdings ist sie ebenfalls von einem Zwischenfall begleitet. Der ist in gesellschaftlicher Hinsicht nicht ganz so folgenschwer wie das Leck im Luxusdampfer, für die Eigentümer der spanischen Nobelherberge bleibt danach dennoch kein Stein auf dem anderen: Das Stubenmädchen Cristina verschwindet spurlos.

foto: sony entertainment televistion

Doña Teresa, Chefin und Biest des Hauses, dürfte ihre Finger im Spiel haben, aber so genau weiß man es nicht. Ihr Bruder Julio (Yon González) nimmt die Suche nach ihr auf, auf seine Seite schlägt sich schnell die rebellische Jungchefin Alicia Alarcón (Amaia Salamanca), die ihrerseits gegen eine ungeliebte Vermählung aufbegehrt.

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foto: abc

Natürlich ist das nicht "Downton Abbey", es fehlen der Prunk der Aufmachung, der feine Witz in den Dialogen sowie Breite und Tiefe der Handlungsstränge. "Grand Hotel" ist aber auch nicht "Hotel", die seichte Soapopera aus den 1980er-Jahren mit James Brolin als vollbärtiger Hoteldirektor und steriler Traum aller Puffärmelblusenträgerinnen.

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foto: rtl passion

"Grand Hotel!" ist aber auch nicht "Die Sklavin Isaura" (hier im Bild) oder "Sinha Moca: Den bieder-billigen Charme der Telenovelas aus den 1980ern kann man der Bambu-Produktion nicht vorwerfen. Viel mehr als Liebe, Intrige, Lust und Leidenschaft vor gefälliger Jahrhundertwende-Kulisse ist aber nicht unbedingt dahinter. In dem gesamten Familiengewirr hat nicht einmal ein Hauch eines Zwischentons Platz. Entweder gut oder böse, dazwischen ist nichts möglich. Es droht: schnelle Erschöpfung. (Doris Priesching, derStandard.at, 7.10.2013)

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