Neues Evolutionsmuster für lang gestreckte Fische entdeckt

8. Oktober 2013, 12:52
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Der Fund eines 240 Millionen Jahre alten Fossils in der Schweiz belegt eine bisher unbekannte Variante der Verlängerung der Körperachse

Zürich - Der längliche, aalförmige Körper einiger heutiger Fischarten hat sich auf verschiedene Arten ausgebildet. Eine neue Variante zur Streckung der Körperachse entdeckten Paläontologen der Universität Zürich an einem urtümlichen Fisch aus dem Südtessin.

Beim Saurichthys curionii, einem der frühen Strahlenflosser, haben sich die vom Achsenskelett wegführenden Wirbelbögen verdoppelt, was zu einer Verlängerung seines Körpers und einer aalförmigen Erscheinung führte. Das 240 Millionen Jahre alte Fossil zeigte zudem, dass dieser urtümliche Fisch nicht sonderlich beweglich war und deshalb weniger schnell und ausdauernd schwimmen konnte als heutige Aale.

Verdoppelung der Wirbelbögen

Der Körper von Schlangen und Aalen ist lang gestreckt, schmal und in allen drei Dimensionen beweglich. Dieses auffällige Körperschema taucht im Lauf der Evolution mehrfach auf. Gemäß bisherigem Kenntnisstand erfolgte die starke Streckung der Körperachse jeweils auf zwei verschiedene Arten: Entweder, in dem die einzelnen Wirbel der Wirbelsäule gestreckt und dadurch länger wurden, oder durch die Herausbildung zusätzlicher Wirbel und Muskelsegmente.

Paläontologen der Universität Zürich um Marcelo Sánchez-Villagra konnten nachweisen, dass sich bei der ausgestorbenen Fischgattung Saurichthys eine weitere, bisher unbekannte Variante zur Verlängerung der Körperachse entwickelt hatte. Im Unterschied zu den sonst bekannten Fischen mit aalförmigem Körper besitzt Saurichthys curionii von den vom Achsenskelett wegführenden Wirbelbögen auf der Rücken- und Bauchseite pro Muskelsegment nicht bloß einen Wirbelbogen, sondern zwei – was einzigartig ist.

Video: Body elongation in early fish evolution

Dies führte zu einer Längsstreckung des Körpers und zu einer aalförmigen Gesamterscheinung. "Dieses Evolutionsmuster zur Körperverlängerung ist neu. Bisher kannte man lediglich eine Erhöhung von Wirbelzahl und Muskelsegmenten oder eine Längsstreckung der einzelnen Wirbel", erklärt die Forscherin Erin Maxwell.

Unbeweglicher als Nachfahren

Die untersuchten Fossilien stammen aus der Tessiner Fundstelle Monte San Giorgio, die 2003 von der UNESCO zum Welterbe erklärt worden ist. Die Forschenden verdanken ihre Erkenntnisse dem glücklichen Umstand, dass nicht nur Skelettteile, sondern auch Sehnen und Sehnenansätze des urtümlichen Raubfisches erhalten geblieben sind.

Aufgrund von Form und Anordnung der erhaltenen Sehnen können die Wissenschafter auch Rückschlüsse auf die Beweglichkeit und Schwimmfähigkeit der fossilen Fischgattung ziehen. Laut Maxwell war Saurichthys curionii definitiv nicht so beweglich wie heutige Aale und konnte im Gegensatz zu diesen wohl auch keine lange Distanzen mit hoher Geschwindigkeit zurücklegen. Der rund einen halben Meter lange Fisch lässt sich von seiner Erscheinung und Lebensweise her am besten mit den heute lebenden Hornhechten oder Nadelfischen vergleichen. (red, derStandard.at, 12.10.2013)

  • Das Fossil des urtümlichen Fisches Saurichtys curionii entwickelte seinen langen Körper dank Verdoppelung der Wirbelbögen.
    foto: uzh

    Das Fossil des urtümlichen Fisches Saurichtys curionii entwickelte seinen langen Körper dank Verdoppelung der Wirbelbögen.

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