Stolze Roma vor dem Burgtheater

6. Oktober 2013, 17:28
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Die Lage in Ungarn stand im Mittelpunkt der Roma-Pride-Kundgebung am Sonntag in Wien

Wien - In Ungarn, sagte die ungarische Roma-Aktivistin Ágnes Daróczi, werde die Roma-Pride heuer nur im privaten Rahmen gefeiert: Armut und politische Einschränkungen hätten zu einer "tiefen Depression" innerhalb der Volksgruppe geführt.

So war Wien außerhalb Ungarns der nächstgelegene Ort, an dem heuer am sechsten Oktober der seit 2011 europaweit begangene Tag der Würde der Roma und Sinti öffentlich gefeiert wurde. Zur Kundgebung vor das Burgtheater kamen an die 100 Menschen - unter ihnen, als Rednerin, Daróczi selbst.

Forderung nach Respekt

Sie sei ebenso Ungarin wie Roma und fordere für beides Respekt ein, sagte die 59-Jährige, die seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Repräsentantinnen der Roma in Ungarn ist. Doch vor allem in ländlichen Gebieten sei die Lage der Volksgruppe prekär, ergänzte sie im STANDARD-Gespräch: "Roma sollen gemeinnützig arbeiten, doch wer dies wo und zu welchen Bedingungen tun soll, entscheiden die lokalen ungarischen Behörden. Vor dem Hintergrund der herrschenden Vorurteile artet das oft in Willkür aus".

Daher, und wegen der Rechtsextremengefahr, zögen zunehmend ungarische Roma nach Österreich, sagte Andrea Härle von der NGO Romano Centro, die die Roma-Pride mitorganisierte.

Kampf um Emanzipation

Auf dem Podium vor dem Theater schilderte denn auch Miklós Rafael, wie er nach einem Brandanschlag auf sein Haus in Ungarn keinerlei behördliche Hilfe bekam und das Land schließlich verließ. Das sei verständlich, meint dazu Daróczi, doch: "Die Roma müssen in Ungarn bleiben und um ihre Emanzipation kämpfen".

Im Vorfeld der Eröffnung der Linzer Ausstellung mit Plakaten der Künstlerin Marika Schmiedt gegen die Romaverfolgung in Europa rissen die Proteste Ungarnnationaler am Wochenende nicht ab. Die Vernissage ist Montagabend. (bri, DER STANDARD, 7.10.2013)

  • Nach mehreren Reden von Roma-Aktivisten und Politikern spielte bei der Roma-Pride beim Burgtheater Harri Stojka und Band auf.
    foto: robert newald

    Nach mehreren Reden von Roma-Aktivisten und Politikern spielte bei der Roma-Pride beim Burgtheater Harri Stojka und Band auf.

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